CD-Rom: Die photographische Sammlung des Provinzialdenkmalamtes in Königsberg. VERGRIFFEN
Jan Przypkowski
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Das Provinzialdenkmalamt in Königsberg wurde 1893 gegründet. Der Konservator sollte allgemein für den Denkmalschutz werben, d.h. für die Dokumentation von Baudenkmälern und anderen historischen Objekten in der Provinz. Zugleich wirkte er in der Gesetzgebung, im Bildungswesen sowie bei der Vermittlung von Denkmalschutzgeldern für die Eigentümer der Baudenkmäler mit. Die photographische Dokumentation der Kunst- und Kulturdenkmäler im ehemaligen Ostpreußen wurde bis in die vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts fortgeführt. Die Sammlungen wurden auf verschiedene Weise gewonnen. Anfangs photographierte der erste Konservator Adolf Bötticher (1842–1901) selbst, später gab man photographische Arbeiten in Auftrag oder erwarb fertige Materialien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Archiv mit den Negativen in das Staatliche Kunstinstitut nach Warschau transportiert (heute Institut für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften), die gerettete schriftliche Überlieferung, Teile der technischen Dokumentation, die Akten sowie der Korrespondenz beiliegende Lichtbilder gelangten 1952 in das Staatsarchiv nach Allenstein. Im Institut für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften sind heute 6600 Negative aus diesem Archiv vorhanden. Es ist schwer zu sagen, wieviel Prozent des ehemaligen Bestandes des Königsberger Denkmalamtes sie ausmachen (Schätzungen gehen von 50–60% aus). Die Negativabzüge werden allen Interessierten zur Verfügung gestellt. In der Nachkriegszeit wurden sie relativ häufig durch polnische Forscher genutzt. Dagegen sind die »Königsberger Negative» ausländischen Forschern noch wenig bekannt.

Die Photomotive des Archivs sind sehr unterschiedlich und sind oft ihrer Zeit voraus. Die photographische Dokumentation beschränkt sich nämlich nicht auf Photos von Kunst- und Architekturdenkmälern. Neben Profanbauwerken und Kirchen mit ihrer Ausstattung existieren viele Photos zum Städtebau, Dorfansichten, Industrieanlagen und öffentlichen Gebäuden. Dank des persönlichen Interesses von Bötticher und Dethlefsen wurde die ländliche Architektur im großen Umfang dokumentiert.

Dank der Förderung durch die Hamburger ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius konnte in den Jahren 2001–2005 die Sammlung computergestützt archiviert werden. Bei dieser Gelegenheit wurden circa 500 Negative, die bis dahin noch nicht katalogisiert beziehungsweise nur teilweise bearbeitet waren, dokumentiert und in den Bestand aufgenommen. Alle Negative aus der Sammlung des Instituts für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften wurden digitalisiert. Auch von den im Staatsarchiv Allenstein aufbewahrten Abzügen sowie den erst kürzlich entdeckten Photos im Allensteiner Museum für Ermland und Masuren wurden diejenigen ausgewählt und gescannt, deren Negative im Institut für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften noch nicht vorhanden waren.

Für die auf diese Art und Weise entstandene Sammlung von fast 7900 Photos wurde eine EDV-gestützte Datenbank angelegt, die die einfache Suche nach beliebigen Kriterien ermöglicht. Dadurch wurden alle erhaltenen, aber verstreut aufbewahrten Teile der Königsberger Photothek 60 Jahre nach Kriegsende auf einer CD-ROM erneut archiviert. In diesem bislang nicht gekannten Umfang stehen sie nun Forschern zur Verfügung.

Aus dem Inhalt:

  • 7841 Archivphotos
  • 51 Aquarelle von August Olbers mit der genauen Dokumentation der gotischen Fresken im Königsberger Dom
  • Datenbank für 7893 Illustrationen und mehr als 3870 Kunstwerke
  • Archivinventar des Bestandes des Provinzialkonservators der Denkmäler der Kunst und der Geschichte der Provinz Ostpreußen aus dem Staatsarchiv in Allenstein (Stanisław Różański, 1955)
  • Einführung in das Archivinventar des Provinzialkonservators der Denkmäler der Kunst und der Geschichte der Provinz Ostpreußen (Stanisław Różański, 1955)
  • Skizze der Geschichte der photographischen Sammlungen des Provinzialdenkmalamtes in Königsberg (Jan Przypkowski)

Das Projekt wurde in Kooperation zwischen folgenden Einrichtungen durchgeführt:

  • Deutsches Historisches Institut Warschau
  • Institut für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften Warschau
  • Staatsarchiv Allenstein
  • Museum für Ermland und Masuren Allenstein

Die Photos stammen aus den Sammlungen:

  • des Instituts für Kunstforschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften (IS PAN)
  • des Staatsarchivs Allenstein
  • des Museums für Ermland und Masuren Allenstein

Alle Photos wurden gescannt und digital bearbeitet von Piotr Jamski (IS PAN Warschau) in Zusammenarbeit mit Marek Kuczyński (Staatsarchiv Allenstein)

Redaktion der Datenbank: Jan Przypkowski (IS PAN Warschau)

MIDAS-Browser – Software und Graphik Arch-Info Wrocław
Das Marburger Inventarisations-, Dokumentations- und Administrations-System (MIDAS): Bildarchiv Foto Marburg Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte Philipps-Universität Marburg
Das Marburger Inventarisations-, Dokumentations- und Administrations-System – polnische Version: Instytut Historii Sztuki Uniwersytetu Wrocławskiego

Das Projekt wurde gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg.

Systemanforderungen: Windows XP/2000. Nach unseren [Kulturforum – d. Red.] Erfahrungen ist außerdem ein relativ leistungsfähiger PC günstig (Prozessor nicht unter 800 MHz Taktfrequenz, mindestens 256 MB Ram).

Ostpreußen – Dokumentation einer historischen Provinz. Die photographische Sammlung des Provinzialdenkmalamtes in Königsberg / Prusy Wschodnie – dokumentacja historycznej prowincji. Zbiory fotograficzne dawnego Urzędu Konserwatora Zabytków w Królewcu. CD-ROM

Die CD-Rom ist leider vergriffen!

»Der Fotograf ist da!«
Die Bewohner des ehemaligen Ostpreußen auf alten Aufnahmen des Denkmalamtes Königsberg

 

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