Siegfried Lenz, vor 100 Jahren in Lyck/Ełk geboren, setzte seiner Heimat nicht nur literarische Denkmäler wie den humoristischen Erzählzyklus So zärtlich war Suleyken und den Erinnerungsroman Heimatmuseum. Er widmete sich darüber hinaus in zahlreichen Hörspielen, Hörfolgen und Features dem Verlust von Heimat und dem Schicksal der Vertreibung. Vor allem die literarischen Anfänge von Siegfried Lenz waren aufs Engste verbunden mit den Kultur- und Nachtprogrammen der Rundfunkanstalten in den 1950er und 1960er Jahren. Hier erprobte der Journalist und Autor Siegfried Lenz neue Ausdrucksformen und widmete sich als junger Intellektueller den gesellschaftlichen Fragen der Nachkriegszeit.
Der Vortrag von Hans-Ulrich Wagner stellt bislang unbekannte Radio-Arbeiten vor, darunter Wanderjahre ohne Lehre (1952), das sowohl die Abenteuergeschichte zweier hungriger Kinder im Nachkriegs-Königsberg ist als auch das politische Hörbild der »geschichtlichen Phasen der Leidensstationen des litauischen Volkes«; sowie Ich suche meinen Namen (1954), die Geschichte des Flüchtlingskindes Olaf Martius, der aus einem Bremer Waisenhaus ausbricht, um in Masuren seinen richtigen Namen zu finden.
Die Veranstaltung beleuchtet die frühen Vertriebenen- und Ostpreußensendungen von Siegfried Lenz im Kontext von dessen biographischer und literarischer Entwicklung. Dabei zeigt sie auf, wie wichtig die Medienarbeit für die bundesrepublikanischen Schriftstellerinnen und Schriftsteller war.
Hans-Ulrich Wagner ist Forschungsgruppenleiter am Leibniz-Institut für Medienforschung, Hans-Bredow-Institut in Hamburg. In zahlreichen Publikationen beschäftigt er sich mit dem Verhältnis von Literatur und Rundfunk und stellt die Medienarbeit als Teil des literarischen Schaffens vor. Er ist Herausgeber der dreibändigen Edition Rundfunkstücke, die 2024 im Rahmen der »Großen Hamburger Werkausgabe« von Siegfried Lenz im Verlag Hoffmann und Campe erschien.
Eine Veranstaltung des
Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit der
Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg und der
Stiftung Mahnmal St. Nikolai
Das Kulturforum wird gefördert vom
Bundesministerium des Innern aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.
Podcast: Der Osten im Westen. Literarische Schätze aus den Rundfunkarchiven – Teil II
Zweiter Teil: Siegfried Lenz, Friedrich Bischoff und Annelen von Mickwitz. Die zwölfte Episode auf unserem Podcast-Kanal »Von Asch bis Zips« verbindet Literatur- und Radiogeschichte mit Fragen der Aufarbeitung von Flucht und Vertreibung in der Bundesrepublik
Mit Links zu allen Kanälen, auf denen dieser Podcast gehört werden kann
| Datum | Mo, 27.04.2026 |
| Zeit | 19:00 Uhr |
| Eintritt | frei |
| Barrierefrei | Nein |
Mahnmal St. Nikolai – Hamburg
Willi-Brandt-Straße 60, 22457 Hamburg, Deutschland
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