Slobodan Šnajders neuer Roman ist ein Trauergesang über die Opfer dreier Umbrüche in der jüngeren kroatischen Vergangenheit. Am Schicksal eines Hauses erhebt sich die Frage: Warum obsiegt von den vielen Möglichkeiten der Geschichte immer die schlechteste?
Neue Zürcher Zeitung, 29.04.2026

von Jan Koneffke

Zu Beginn und am Ende des Romans Engel des Verschwindens geben die Häuser den Geist auf. Genauer gesagt: Sie fliegen einfach weg. Das erste, ein Holzhaus, als es während der Zagreber Pest 1563 in Brand gesteckt wird – die als Hexe verdächtigte Bewohnerin setzt sich nackt auf den Giebel und reitet davon. Das andere, ein Mietshaus, das in den Jahren, die der Loslösung Kroatiens aus dem jugoslawischen Staatenverband folgen, abgerissen wird, kommentiert seinen Flug höchstpersönlich: »Ich weiß jetzt, dass selbst einem hässlichen zweistöckigen Haus ewiges Leben zuteilwerden kann.« […]

Ein Mietshaus in Zagreb erinnert sich. Slobodan Šnajders großer Roman »Engel des Verschwindens« 
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