Studentinnen und Studenten aus Hagen und Potsdam, Journalistinnen und Journalisten sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen widmeten sich den preußischen Spuren im Raum und dem Nachwirken Preußens in den politischen Deutungen der Gegenwart und der Erinnerungskultur in Deutschland, Polen und Europa
von Magdalena Gebala
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Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studienreise »Postpreußen« am Plac Wolności (früher Wilhelmsplatz) in Posen/Poznań | Foto: © Felix Ackermann

Unter dem Titel »Postpreußen« fand vom 29. bis 31. Mai 2026 eine von der FernUniversität Hagen, dem Nordost-Institut Lüneburg, der Adam-Mickiewicz-Universität und der Magdalena-Abakanowicz-Kunstakademie in Posen/Poznań in Zusammenarbeit mit dem Institut für angewandte Geschichte und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa organisierte Studienreise für Studierende statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren Studierende des Studiengangs Oral History an der FernUniversität Hagen und Studierende der Geschichte an der Universität Potsdam, Journalistinnen und Journalisten sowie Multiplikatoren und Multiplikatorinnen. An zwei Tagen wurde die Gruppe um Studierende der Kunstgeschichte von der Universität Posen erweitert.

Die Studienreise widmete sich den preußischen Spuren im Raum und dem Nachwirken Preußens in den politischen Deutungen der Gegenwart und der Erinnerungskultur in Deutschland, Polen und Europa. Das Konzept sah von Anfang an eine aktive Teilnahme der Studierenden vor, von denen einige in Kurzreferaten die zu besichtigenden Orte vorstellen sollten, während andere mit Audioaufnahmen für einen späteren Podcast betraut wurden.

Erinnerungssockel für Johann Markgraf von Brandenburg in Küstrin/Kostrzyn nad Odrą, © DKF, Foto: Magdalena Gebala
Erinnerungssockel für Johann Markgraf von Brandenburg in Küstrin/Kostrzyn nad Odrą
Foto: © DKF, Magdalena Gebala

Die Reise begann an einem frühen Morgen in Berlin-Lichtenberg, von wo aus es für die Gruppe mit Bus und Bahn in Richtung Küstrin/Kostrzyn nad Odrą ging. Dort angekommen, begannen wir zunächst mit der Erkundung der Ruinen der ehemaligen preußischen Festungsstadt Küstrin, die in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges beinahe vollständig zerstört wurde und allgemein als „Pompeji an der Oder“ bezeichnet wird. Anschließend tauschten wir uns in der Gruppe über unsere Eindrücke über die Spuren der Geschichte in der Gegenwart aus. Unser Interesse weckte insbesondere der vor einigen Jahren wiederaufgebaute Erinnerungssockel für den Johann Markgraf von Brandenburg. Ob es jemals zum Wiederaufbau des gesamten Denkmals kommen wird?

Denkmal für die Opfer des Massakers im KZ Sonnenburg im Januar 1945. Foto: © DKF, Magdalena Gebala
Denkmal für die Opfer des Massakers im KZ Sonnenburg im Januar 1945.
Foto: © DKF, Magdalena Gebala

Von Küstrin ging es weiter in das ca. 15 km entfernte Städtchen Sonnenburg/Słońsk. Im historischen Zentrum des Johanniterordens in der Neumark, dessen einstige Existenz in Form des Johanniterkreuzes vielerorts entlang der Oder und Warthe noch zu entdecken ist, besichtigten wir die dortige Johanniterkirche. Dort diskutierten wir die Bedeutung des Ordens und die Sichtbarkeit seiner Symbole im Raum für die Einwohnerinnen und Einwohner heute. Auch die Besichtigung des neu errichteten Museums für die Opfer des Massakers in Sonnenburg vom Januar 1945, bei dem über 800 Häftlinge aus beinahe ganz Europa von den Nationalsozialisten ermordet wurden, und der dazugehörigen Gedenkstätte stand auf dem Programm. Am späten Nachmittag ging es mit dem Bus weiter in die Hauptstadt der Woiwodschaft Großpolen und die fünftgrößte polnische Stadt Posen/Poznań.

Blick auf den Posener Dom und die Dominsel von Śródka aus. Foto: © DKF, Magdalena Gebala
Blick auf den Posener Dom und die Dominsel von Śródka aus.
Foto: © DKF, Magdalena Gebala

Am nächsten Morgen trafen wir zuerst auf die Studierenden der Universität Posen und begannen zusammen mit ihnen in deutsch-polnischen Gruppen mit der Erkundung der Dominsel, die die historische Wiege des Bistums Posen und den ältesten Stadtteil markiert, sowie ihrer imposanten Bauten wie dem Posener Dom, der Lubrański-Akademie, der Marienkirche und dem Erzbischöflichen Palais. Unsere lingua franca war natürlich Englisch. Am Nachmittag widmeten wir uns der Geschichte der 1906 errichteten Posener Synagoge, deren Umgestaltung zu einer Schwimmhalle für die Soldaten der Wehrmacht in der besetzten Stadt 1940 und dem schmerzhaften Verfall seit ihrer Schließung 2011. Besonders beeindruckend war das Gespräch mit einem jungen Mitglied der jüdischen Gemeinde, das uns sehr anschaulich über jüdisches Leben in Posen heute berichtete.

Synagoge von Posen mit der Aufschrift „Pływalnia miejska“ (Städtische Schwimmhalle). Foto: © DKF, Magdalena Gebala
Synagoge von Posen mit der Aufschrift »Pływalnia miejska« (Städtische Schwimmhalle)
Foto: © DKF, Magdalena Gebala
Interessierte Blicke Richtung Synagoge beim Vortrag über die jüdische Geschichte von Posen. Foto: © DKF, Magdalena Gebala
Interessierte Blicke Richtung Synagoge beim Vortrag über die jüdische Geschichte von Posen
Foto: © DKF, Magdalena Gebala

Den späten Nachmittag verbrachten wir mit der Erkundung der zahlreichen Spuren der polnisch-preußischen Verflechtungsgeschichte rund um den repräsentativen Plac Wolności/Wilhelmsplatz, so dem Bazar, der Raczyński-Bibliothek, dem Nationalmuseum und dem Polnischen Theater.

Dr. Aleksandra Paradowska beim Vortrag über die preußische Geschichte von Posen in der Raczyński-Bibliothek. Foto: © DKF, Magdalena Gebala
Dr. Aleksandra Paradowska beim Vortrag über die preußische Geschichte von Posen in der Raczyński-Bibliothek
Foto: © DKF, Magdalena Gebala

Am letzten Tag der Exkursion besichtigten wir zunächst das kaiserliche Schloss, in dem sich heute das beliebte Kulturzentrum Zamek befindet, sowie dessen Außenanlagen. Danach erhielten wir die Möglichkeit, uns die Königliche Akademie und das imposante Gebäude der Ansiedlungskommission für Westpreußen und die Provinz Posen anzuschauen. Beide Gebäude beherbergen heute verschiedene Fakultäten der Adam-Mickiewicz-Universität.

Im Gebäude der Adam-Mickiewicz-Universität (früher Ansiedlungskommission für Westpreußen und die Provinz Posen). Foto: © Felix Ackermann
Im Gebäude der Adam-Mickiewicz-Universität (früher Ansiedlungskommission für Westpreußen und die Provinz Posen)
Foto: © Felix Ackermann

Eine kritische Diskussion darüber, ob und inwieweit das Konzept Postpreußen geeignet ist, über das preußische Erbe und den Umgang damit im heutigen Deutschland und Polen zu sprechen, rundete das Programm ab. Ein Abendessen im Restaurant Ptasie Radio bildete einen schönen Abschluss unseres Aufenthaltes in Posen, bevor es dann am Abend mit der Bahn wieder zurück nach Berlin ging. Unser Dank gilt den Veranstaltern, allen voran Dr. Aleksandra Paradowska von der Kunstakademie Posen/Poznań und Dr. Dorota Molińska von der Universität Posen, sowie den engagierten Studierenden, die diese Reise zu einem unvergessenen Erlebnis gemacht haben. Ein Nachtreffen ist im November 2026 in Berlin geplant.

Die Studienreise wurde durch die Sanddorf-Stiftung und die Stiftung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert.


Hörtipp

Logo: Deutschlandfunk KulturPostpreußen – Mit polnischen Augen auf Preußen blicken
Deutschlandfunk Kultur, 16. Juni 2026
von Stefanie Oswalt


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