Rezension | Die Ausstellung »Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt« am historischen Ort im Schloss Ceclienhof
Mai/Juni 2021 – Kulturkorrespondenz östliches Europa № 1423

Feldtelefon aus Churchills Arbeitsraum. © SPSGFeldtelefon aus Churchills Arbeitsraum. Foto: © SPSG

Von Karl-Konrad Tschäpe

Historische Orte gibt es in Potsdam nicht wenige. Und doch ist einer wie kein anderer mit der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts verbunden: das Schloss Cecilienhof im Neuen Garten. Dies wird dem Besucher der Sonderausstellung Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt schnell deutlich.

Anlass für die 2020 eröffnete Ausstellung ist der 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz, die nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg die Friedensverhältnisse in Europa ordnen sollte. Hier boten sich die drei Sieger des großen Krieges in großen Korbsesseln der Weltpresse dar. Dem Besucher werden in der historischen Gartenterrasse Nachbildungen präsentiert, in denen er es sich bequem machen kann, soweit die Last der Gedanken dies zulässt.

Denn friedlich ist die Welt der Potsdamer Konferenz auf keinen Fall, und es ist die große Stärke der Ausstellung, dies mit aller Drastik vor Augen zu führen. Das Schloss befindet sich am Rand der im Krieg schwerstens zerstörten Hauptstadtregion, die aber nur paradigmatisch für die Verwüstungen des in erster Linie vom Deutschen Reich und Japan in die Welt getragenen Krieges steht. Das Schloss ist der Ort, an dem die neuen Grenzen Europas gezogen wurden, die nach den Vertreibungen und Zerstörungen des Krieges noch einmal Millionen Menschen zu Heimatlosen machten. Trotz gegenteiliger Versprechungen forderten die Potsdamer Entscheidungen unzählige Todesopfer. In den aufwendig gestalteten Vitrinen sehen wir Zeugnisse, wie man sie auch in den Heimatsammlungen und Vertriebenenmuseen findet: einen Koffer, scheinbar belanglose Habseligkeiten, Schriftdokumente. Die Präsentationsweise reflektiert gleichzeitig die Herausforderung, mittels »banaler« Ausstellungsstücke Geschichten zu erzählen, die sich bei denjenigen, die sie durchlebten, unauslöschlich eingruben. Gleichzeitig gilt es, den Spagat zu meistern, Einzelschicksale als exemplarisch für Millionen vorzustellen, was in der Ausstellung mit Hilfe von Medienstationen gelingt.

Schließlich erging während der Potsdamer Konferenz aber auch der Befehl zum Abwurf der weltweit ersten Atombombe. Eine erschütternde Multimediainstallation versucht die Vermittlung des Unfassbaren. Der Atomtod von vielen Tausenden leitete das nächste Kapitel der Globalhistorie ein: den Kalten Krieg, der hier seinen Ausgangspunkt nimmt.

Die Sonderausstellung ist auf vielfältige Weise mit dem historischen Ort verflochten. Der Besucher wird durch die Räume geführt, in der die Mächtigen der Welt rauchend ihre Beschlüsse fassten. Hier zeigt sich eine weitere wichtige Ebene, die auch als Botschaft der erwähnten Korbsessel zu verstehen ist: Es waren Menschen, die hier tagten, berieten und mit ihren schwerwiegenden Entscheidungen Weltgeschichte schrieben. Nach allem Leid sollten ihre Entschlüsse zahllose weitere Opfer fordern sowie die Existenz von vielen Millionen Menschen auf lange Jahrzehnte prägen.

Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt. Sonderausstellung zum 75. Jahrestag der Potsdamer Konferenz
Weitere Informationen auf den Internetseiten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten – SPSG

Die Ausstellung wird – abhängig von den geltenden Pandemie-Bestimmungen – bis zum 31. Oktober 2021 gezeigt.