Hohe Berge und dreisprachige Hochkultur

Hohe Berge und dreisprachige Hochkultur
Hohe Berge und dreisprachige Hochkultur
Stadtwappen des ostslowakischen Košice/Kaschau, Kulturhauptstadt Europas 2013. Die deutschen Einwohner lebten hier jahrhundertelang gemeinsam mit Slowaken, Ungarn und Juden zusammen.

Fläche: 49.035 km²
Einwohner: 5,4 Mio.
Hauptstadt: Bratislava
Amtssprache: Slowakisch
Währung: Euro

Deutsche Siedlungskette zwischen zwei Vielvölkermetropolen

Seit dem 12. Jahrhundert kamen deutsche Bauern, Bergleute, Handwerker und Kaufleute in das Gebiet der heutigen Slowakei. Es gehörte als »Oberungarn« seit dem 10. Jahrhundert zum Königreich Ungarn, ab 1867 bis 1919 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Die Deutschen lebten in und um Pressburg im Westen, im seit Ende der 1930er Jahre so genannten Hauerland in der Mittelslowakei, im Osten in der Zips sowie in Kaschau und Umgebung. Im 18. und 19. Jahrhundert passten sich die Deutschen, die nun in nicht mehr verbundenen Siedlungszentren lebten, zunehmend der ungarischen Kultur an.

Die Juden, die vor allem in den Städten und vornehmlich in Pressburg wohnten, waren wichtige Träger der deutschsprachigen Kultur. 1918 wurde die Slowakei Teil der Tschechoslowakei, wodurch die Deutschen neue Minderheitenrechte erhielten. In den 1930er Jahren ließen sich Teile der seit Beginn des 20. Jahrhunderts so bezeichneten Karpatendeutschen durch die rechtsradikale Deutsche Partei vereinnahmen. Nach Ausrufung der von Hitler abhängigen Slowakischen Republik 1939 übernahm sie den Alleinvertretungsanspruch für die deutsche Minderheit. Die etwa 20.000 Karpatendeutschen, die nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 im Land blieben, wurden verfolgt und benachteiligt. Nach 1989 entstanden deutschsprachige Vereine, Publikationen und ein Museum der Karpatendeutschen in Pressburg.

Ein schreibender Staatspräsident und andere kulturelle Beiträge der Deutschen

In den einst von Deutschen besiedelten Städten sind Baudenkmäler aller Epochen von der Romanik bis zum Jugendstil vertreten. Am nachhaltigsten hat die Gotik die deutsche Kulturlandschaft der Slowakei geprägt. Nirgendwo sonst in Europa findet sich eine derartige Fülle an Holzplastiken aus der Früh-, Hoch- und Spätgotik auf so engem Raum. Neben zahlreichen Werken von unbekannten deutschen Schnitzern bildet das umfangreiche Werk von Meister Paul aus Leutschau den künstlerischen und stilistischen Höhepunkt. Ein großer Teil der aus der Slowakei stammenden schriftlichen Dokumente wurde seit dem 14. Jahrhundert auf Deutsch verfasst. Zu den zeitgenössischen karpatendeutschen Autoren gehört der ehemalige slowakische Präsident Rudolf Schuster, der zahlreiche Bücher, darunter Biografien und Kriminalgeschichten, verfasst hat. Weltbedeutung in der Musik errangen der Pressburger Johann Nepomuk Hummel (1778–1837) und der im heute slowakisch-ungarischen Komorn geborene deutschstämmige Operettenkomponist Franz Lehár (1878–1948).

Deutsche Bevölkerung

Trotz ihrer bestimmenden Stellung in den Städten machten die Deutschen nie mehr als fünf Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis 1945 wohnten noch etwa 150.000 Deutsche in der Slowakei, vorwiegend in den Siedlungsgebieten von Pressburg, dem so genannten Hauerland und der Zips. Bei der Volkszählung 2001 bezeichneten sich lediglich 5.400 Menschen als Karpatendeutsche. Man geht jedoch von mindestens 10.000 Karpatendeutschen aus, da sich die jüngeren Leute nicht mehr automatisch mit ihrer deutschen Abstammung identifizieren.

Unser Tipp

Die UNESCO-Weltkulturerbestätte Georgenberg (slowakisch Spišská Sobota) ist eines der besterhaltenen mittelalterlichen Stadtensembles der Slowakei. Manche der typischen Bürgerhäuser mit ihren hohen Dächern der einstmals reichsten Stadt der Ober-Zips sind seit ihrer Entstehungszeit kaum verändert. Die St. Georgskirche beherbergt fünf beeindruckende gotische Altäre, die der Werkstatt von Meister Paul zugeschrieben werden. Mehr unter Slovakia Travel.

Literatur

Hochberger, Ernst: Das große Buch der Slowakei. Sinn 1999.

Schönfeld, Roland: Slowakei. Regensburg 2000.

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