Wo die Uhren langsamer ticken – Schäßburg/Sighişoara (Rumänien) und Teltsch/Telč, (Tschechische Republik)
Aus der Reihe »Schätze der Welt – Erbe der Menschheit«

Wo die Uhren langsamer ticken – Schäßburg/Sighişoara (Rumänien) und Teltsch/Telč, (Tschechische Republik) Platzhalterdarstellung für ausgewählte Veranstaltungen

In Transsilvanien messen die Uhren nicht die Zeit, sondern die Ewigkeit, sagt ein rumänisches Sprichwort. Wer sich den Weg durch dieses Land bahnt, über Schlaglöcher hinweg und vorbei an Ochsenkarren, hat bisweilen tatsächlich das Gefühl, dass die Zeit hier stehengeblieben ist. Irgendwo im Mittelalter.

In Sighişoara, deutsch: Schäßburg, einem kleinen Städtchen im Tal der Kokel, ist fast alles noch so, wie es um 1200 war, als sich vor allem Siedler hier niederließen. Die von ihnen gebaute Burganlage mit sieben Wehrtürmen und rund 150 Wohnhäusern ist das einzig erhaltene Ensemble dieser Art in Transsilvanien, zu deutsch Siebenbürgen.

Was unzählige Kriege, Verwüstungen und Plünderungen im Laufe der Geschichte nicht geschafft haben, wäre einer abrisswütigen Diktatur beinahe gelungen. Bevor deren letztes Stündchen geschlagen hatte, wollten die Schergen Ceauşescus die geschichtsträchtige Stadt niederwalzen. Sie schafften es nicht mehr. Das Regime ging zu Bruch und nicht Sighişoara.

Heute ist es der Zeitgeist, der dem Städtchen zu Leibe rückt. Ausländische Investoren haben die Stadt als Ziel für den Tourismus entdeckt und beginnen an manchen Stellen, die morbide Schönheit Sighişoaras wegzusanieren. Noch erkennt man ihr altes Gesicht, noch spricht es Bände. Jedenfalls für die, die hinsehen können.

Wie eine Insel aus längst vergangenen Zeiten liegt sie zwischen den Fischteichen – die tschechische Stadt Telč/Teltsch. Einst war sie ein wichtiger Handelsplatz auf halbem Weg zwischen Prag und Wien. Ihre Bürger lebten vom Bierbraurecht, dem Salzverkauf und dem Ehrgeiz eines Landadligen Zacharias von Neuhaus. Er machte Schloss Telč im 16. Jahrhundert zu seinem Herrensitz, holte italienische Baumeister ins mährische Hochland und verwandelte sein Provinzstädtchen in eine Residenzstadt.

Ein prächtiges Schloss, ein sehr südlich anmutender Marktplatz und ein Hauch von Dornröschenschlaf so präsentiert sich Telč noch heute. Tschechisches Alltagsleben zwischen Renaissance- und Barockfassaden – eine schöner als die andere –, und manchmal fragt man sich am Morgen, ob jemand abends vergessen hat, die erhabene Theaterkulisse abzubauen.

Zwei Filme von Christina Brecht-Benze (Sighişoara) und Eva Witte (Telč), 2001, zusammen ca. 30 Min.

Schäßburg/Sighişoara – Ort der kleinen Ewigkeiten
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Teltsch/Telč – Wo Häuser Sonntagskleider tragen
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