Georg Dehio-Kulturpreisträgerin 2013 | Hauptpreis

6296
Georg Dehio-Kulturpreisträgerin 2013 | Hauptpreis
Die polnische Kunsthistorikerin Ewa Chojecka wurde 2013 für die Erforschung und Popularisierung der Kunstgeschichte Oberschlesiens als Teil des europäischen Kulturerbe mit dem Hauptpreis des Georg Dehio-Kulturpreises ausgezeichnet.
Prof. Dr. Ewa Chojecka

Prof. em. Dr. Ewa Sabine Chojecka wurde 1933 in Bielitz/Bielsko in Polen geboren, wo sie auch heute lebt. Sie studierte Kunstgeschichte an der Jagiellonen- Universität in Krakau und beendete ihr Studium 1955. Vier Jahre später, 1959, promovierte sie ebenfalls in Krakau. In den Jahren 1958 bis 1977 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Universitätsmuseum und am Kunsthistorischen Institut der Universität. 1960 verbrachte sie als Stipendiatin der Ford Foundation ein Jahr am Warburg Institute der University of London. Ihre Habilitation erfolgte 1969.

Von 1977 bis 2003 leitete Ewa Chojecka den Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Schlesischen Universität in Kattowitz/Katowice, den sie gegründet und organisatorisch mitaufgebaut hatte. 1987 wurde sie zur außerordentlichen Professorin und 1996 zur ordentlichen Professorin an dieser Universität berufen. Von 2006 bis 2013 leitete sie den Lehrstuhl für den Schutz des Kulturerbes an der Schlesischen Jerzy-Ziętek-Hochschule für Management in Kattowitz.

Sie ist Mitglied der Polnischen Akademie der Wissenschaften und war während dreier Amtsperioden Mitglied des Ausschusses für Kunstwissenschaft.

Ewa Chojecka erschloss unbearbeitete Bereiche der Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, wie die Industriearchitektur und die Architektur der Klassischen Moderne. Die Phänomene der regionalen Kunstgeschichte betrachtet sie stets im gesamteuropäischen Kontext, wie auch ihr Engagement für die Neukonzeption des Schlesischen Museums in Kattowitz zeigt.

Kennzeichnend für ihr Verständnis der Kunstgeschichtsschreibung ist die 1993 im Schlesischen Museum in Kattowitz gezeigte Ausstellung »Protestantische Kunst in Oberschlesien«. Die von Ewa Chojecka kuratierte Präsentation wurde als Kulturereignis des Jahres ausgezeichnet. Aus ihrem Engagement für das kulturhistorische Erbe der Region heraus gründete sie mit Gleichgesinnten 1989 den Oberschlesischen Bund (Związek Górnośląski), eine nichtstaatliche Kulturorganisation, die sich für die breitenwirksame Vermittlung der oberschlesischen Kultur einsetzt.

Ihr Bestreben, die Kunst in überregionalen Zusammenhängen jenseits nationaler und ideologischer Begrenzungen zu verorten, führte auch dazu, dass Ewa Chojecka 1988 Mitbegründerin des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und Denkmalpfleger wurde.

Ewa Chojecka ist Mitglied der Evangelischen Forschungsakademie Hannover und war in den 1990er Jahren Präsidentin der Polnischen Evangelischen Gesellschaft in Bielitz. Darüber hinaus ist sie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des Schlesischen Museums zu Görlitz und des Stadtmuseums in Kattowitz, außerdem Vorsitzende der Wissenschaftlichen Beiräte des Schlesischen Museums in Kattowitz und des Schlossmuseums in Bielitz.

Ewa Chojecka wurde für ihre Leistungen und ihr Engagement vor allem um die Kunstlandschaft Oberschlesiens mehrfach ausgezeichnet. So erhielt sie 1989 den Orden Polonia Restituta, 1991 den Karol-Miarka Preis und 2005 den »Schlesischen Smaragd« der Evangelischen Diözese Kattowitz. 2006 wurde sie als erste Preisträgerin von der »Bewegung für Autonomie Schlesiens« mit dem neu begründeten Augustin Weltzel-Preis »Der Oberschlesische Tacitus« geehrt. 2009 erhielt sie die Auszeichnung für die Förderung der Kunst der Woiwodschaft Schlesien.

Publikationen

Von Ewa Chojeckas zahlreichen Publikationen und wissenschaftlichen Beiträgen seien hier stellvertretend einige deutschsprachige Veröffentlichungen genannt:

Die protestantische Kunst in Oberschlesien. Aufstieg und Krisensituationen. Zum gegenwärtigen Forschungsstand (Reformation und Gegenreformation in Oberschlesien. Die Auswirkungen auf Politik, Kunst und Kultur im ostmitteleuropäischen Kontext. Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien, Berlin 1994)

Oberschlesische Architekturtendenzen 1900–1939 als Kontext zu Bruno Taut (Symposium Bruno Taut. Werk und Lebensstadien. Würdigung und kritische Betrachtung, Magdeburg 1996)

Oberschlesien als international ausgerichtete Kunstlandschaft (Archiv für schlesische Kirchengeschichte. Hrsg. J. Kohler, Aschendorff Münster 2006)

Ideologiebezogene Auseinandersetzungen um Fakten und Mythen im schlesischen Grenzgebiet: Kattowitzer Denkmalkunst und das deutsch-polnische und polnisch-polnische Syndrom (Visuelle Erinnerungskulturen und Geschichtskonstruktionen in Deutschland und Polen seit 1939, Bd. V, Hrsg. M. Omilanowska, D. Bingen, P.O. Loew, D. Popp, Warszawa 2009).

Sztuka Górnego Sląska od średniowiecza do końca XX wieku, Katowice 2009 (2. Aufl.) – die umfangreiche Publikation zur Kunstgeschichte Oberschlesiens, die Ewa Chojecka mit ihren Schülern Jerzy Gorzelik, Irma Kozina und Barabara Szczypka-Gwiazda herausbrachte, enthält auch eine deutsche Zusammenfassung.

Donnerstag, 17. Oktober 2013
Georg Dehio-Kulturpreis 2013
Feierliche Preisverleihung an die polnische Kunsthistorikerin Ewa Chojecka und an die russische Historikerin und Kuratorin Irina Tscherkasjanowa. Eine Veranstaltung für geladene Gäste

Folgende Veranstaltungen könnten Sie auch interessieren:

Folgende Ausstellungen könnten Sie auch interessieren:

      • Seitenanfang