Die Digitale Stadtbibliothek Kaschau

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Die Digitale Stadtbibliothek Kaschau
Das Deutsche Kulturforum östliches Europa beteiligt sich an diesem internationalen Projekt des DiFMOE e.V. mit Öffentlichkeitsarbeit und Begleitveranstaltungen

Das Deutsche Kulturforum östliches Europa beteiligt sich an diesem internationalen Projekt des DiFMOE e.V. mit Öffentlichkeitsarbeit und Begleitveranstaltungen

Von Jan Schrastetter (DiFMOE e.V.)

Kaschau, die zweitgrößte, aber vielleicht schönste Stadt der Slowakei und Metropole ihres östlichen Landesteiles, blickt auf eine Jahrhunderte alte Vergangenheit zurück. Im 13. Jahrhundert aus der Verschmelzung einer slawischen mit einer deutschen Siedlung hervorgegangen, entwickelte sie sich im ungarischen Königreich zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum. Ihre wirtschaftsgeografische Lage an diversen wichtigen Handelsrouten der Zeit spielte dabei eine wichtige Rolle, ebenso aber auch das Neben- und Miteinander verschiedener ethnischer Gruppen und Religionsgemeinschaften: Slowaken, Deutsche, Ungarn, Juden, Katholiken, Protestanten, Griechisch-Katholische und Weitere sorgten für eine charakteristische Prägung des städtischen Lebens, des städtischen Wirtschaftens und der städtischen Kultur. Jedenfalls in Friedenszeiten.

Denn Kaschau war aufgrund seiner multiethnischen und multikonfessionellen Konstellation auch immer ein Spiegel – und die unterschiedlichen Gruppierungen Spielbälle – der politischen Machtverhältnisse in der Region, im Königreich und in der Monarchie. Türkenkriege, antihabsburgische Aufstände, innere Konflikte des ungarischen Adels und viele weitere politische Ereignisse auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene hatten immer auch ihre Auswirkungen auf die Bevölkerungen der Stadt, in deren Geschichte es nur allzu häufig zu ethnischen und konfessionellen Vertreibungen und Bevölkerungsverschiebungen kam.

Je nachdem, wie sich das Blatt für die einzelnen Konfliktparteien wendete, bescherte es einmal den einen, dann wieder den anderen die demographische, wirtschaftliche, politische, kulturelle und/oder konfessionelle Dominanz. Bis in die jüngere Geschichte der Weltkriege und der unmittelbaren Nachkriegszeit erstreckten sich diese schicksalhaften Vorgänge und ihre historische Aufarbeitung ist noch lange nicht abgeschlossen. Sie sind – zusammen mit dem kulturhistorischen Reichtum – das Vermächtnis der Stadtgeschichte Kaschaus an die heutigen Generationen.

Im kommenden Jahr wird Kaschau als europäische Kulturhauptstadt in einem besonderen Fokus der europäischen Kulturpolitik, der europäischen Öffentlichkeit und der Medien stehen. Anlässlich dieses prestigeträchtigen Ereignisses haben sich Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen aus der Slowakei, Österreich, Ungarn und Deutschland unter der Federführung des »Digitalen Forums Mittel- und Osteuropa e.V.« zusammengeschlossen, um einem historisch interessierten Publikum einen besonderen kulturellen Schatz zu eröffnen, auf den man zu jeder Zeit, kostenfrei und ortsunabhängig zugreifen können wird: Die multiethnische und mehrsprachige Vergangenheit der Stadt in ihren schriftlichen und bildlichen Zeugnissen.

Von den Anfängen des Kaschauer Druckwesens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Geplant und zur Stunde bereits teilweise in Bearbeitung ist in diesem Sinne die Digitalisierung einer repräsentativen Auswahl des in Kaschau entstandenen bzw. sich auf Kaschau beziehenden schriftlichen und bildlichen Kulturguts unter Berücksichtigung der in der wechselvollen Geschichte der Stadt lebenden Ethnien, wirkenden Konfessionen und gesprochenen Sprachen. Der fokussierte Zeitraum erstreckt sich dabei von den Anfängen des Kaschauer Druckwesens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In Einzelfällen können auch noch Werke darüber hinaus mit einbezogen werden, sofern die Urheber- und Nutzungsrechtfragen geklärt sind.

Bei den auszuwählenden Titeln geht es im Wesentlichen um solche, die in Kaschau selbst gedruckt wurden. Darunter fallen Periodika (Zeitungen, Zeitschriften, Almanache, Kalender etc.) ebenso, wie monographisches und mehrbändiges Schriftgut (wissenschaftliche Literatur der Kaschauer Universität und Akademie, Lehrbücher, religiöse Literatur, religiöse Volksliteratur, profane Volksliteratur, Belletristik). Von speziellem Interesse sind Werke der Sachliteratur zu Kaschau, der Region und ihrer Bevölkerung und historische Bilddokumente: Postkarten, Plakate, Fotos, Stadt- und Gebäudeansichten, Personen- und Gruppenportrais, Bildauszüge aus dem digitalisierten periodischen und monographischen Material. Berücksichtigt werden ebenso solche Werke, die zwar außerhalb Kaschaus publiziert, aber von Kaschauer Autoren verfasst wurden und/oder Kaschau bzw. die Region zum Gegenstand haben.

Sämtliches Material soll über eine gemeinsame Webseite – die cassovia digitalis (Digitale Stadtbibliothek Kaschau) – für jeden interessierten Nutzer einsehbar und über eine mehrsprachige Oberfläche auch für ein internationales Publikum leicht zu bedienen sein. Die Freischaltung erster Teilbestände der Digitalen Stadtbibliothek im Internet ist für Ende Oktober/Anfang November 2012 geplant, bis Ende Januar 2013 wird sie mit über 100.000 Bildeinheiten angereichert sein.

Auch für interessierte Laien

Der Wert dieses Projektes liegt zum einen in der Sicherung historischen Kulturguts ersten Ranges und seiner freien Verfügbarkeit im Internet, vor allem ist aber die internationale Ausrichtung des Projektes selbst ein wichtiger Schritt in Richtung gemeinsamer Arbeit an und Würdigung der Vergangenheit Kaschaus und seiner Bewohner. Hierbei ermöglichen erst die uns heute zur Verfügung stehenden Techniken und Potentiale des Internet eine weitreichende und interaktive Einbeziehung und Teilnahme von Kreisen interessierter Bürger in und an diesen Prozessen.

Als besonders wichtig erscheint es den Projektinitiatoren, dass sich diese »Kreise« nicht nur auf das sonst übliche akademische Publikum beschränken werden. Es soll sich auch der historisch interessierte Laie angesprochen fühlen.

Gefördert wird das Projekt vom Beauftragten der deutschen Bundesregierung für Kultur und Medien.

Für 2013 ist in Kaschau eine internationale Konferenz geplant, um die Digitale Bibliothek der Öffentlichkeit vorzustellen.

Beteiligte

Folgende Partnerinstitutionen unterstützen das Projekt zum jetzigen Zeitpunkt bzw. arbeiten aktiv an der Realisierung:

  • Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V. / Potsdam
    (Öffentlichkeitsarbeit/Begleitveranstaltungen)
  • DiFMOE – Digitales Forum Mittel- und Osteuropa e.V. / München
    (Gesamtkoordination/Projektleitung)
  • Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme / St. Augustin
    (OCR/Volltextsuche)
  • Goethe-Institut Pressburg
    (Begleitveranstaltungen/Teilprojektförderung)
  • Institut für Ethnologie an der Slowakischen Akademie der Wissenschaften / Pressburg
    (Begleitveranstaltungen/fachliche Expertise)
  • Institut für Kooperation in Mittel- und Osteuropa
    (KOMIOS/KOMIOS projects) / Pressburg
    (Projektkoordination/Öffentlichkeitsarbeit/Begleitveranstaltungen)
  • Institut für Europäische und Vergleichende Sprach- und Literaturwissenschaft / Finno-Ugristik der Universität Wien
    (Begleitveranstaltungen/fachliche Expertise)
  • Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas e.V. / München
    (Originalvorlagen/fachliche Expertise)
  • Karpatendeutsches Kulturwerk / Karlsruhe
  • Martin-Opitz-Bibliothek / Herne
    (Originalvorlagen/fachliche Expertise)
  • Museum der Kultur der Karpatendeutschen / Pressburg
    (Begleitveranstaltungen)
  • Ostslowakisches Museum Kaschau
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise)
  • Öffentliche Bibliothek Kaschau Jan Bocatius
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise)
  • Pixelprint GmbH / München
    (Digitalisierung/technische Umsetzung)
  • Privatsammlung Ľudovít Korotnoky
    (Originalvorlagen/fachliche Expertise)
  • Ungarische Nationalbibliothek
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise
  • Universitätsbibliothek Pressburg
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise)
  • Universität und Universitätsbibliothek Eger
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise)
  • Universität und Universitätsbibliothek Szeged
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise)
  • Universität Kaschau, Institut für Germanistik
    (Logistik/fachliche Expertise)
  • Universitätsbibliothek Kaschau
    (Begleitveranstaltungen)
  • Universität Klagenfurt, Institut für Germanistik
    (fachliche Expertise)
  • Wienbibliothek
    (Originalvorlagen/Bibliografien/fachliche Expertise)
  • Wissenschaftliche Staatsbibliothek Kaschau
  • Grafische Gestaltung: Martina Šperková

Kontakt

Institut für Kooperation in Mittel- und Osteuropa
Ústav pre kooperáciu v strednej a východnej Európe
KOMIOS s.r.o./KOMIOS projects s.r.o.
c/o Jan Schrastetter | Geschäftsführer KOMIOS, Vorstandsmitglied DiFMOE e.V.
Konventná 2
SK–81103 Bratislava
Slowakei
E-Mail: office[at]komios.eu

www.komios.eu
Die Internetseiten des Instituts für Kooperation in Mittel- und Osteuropa
deutsch | slovenský

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