07.03.2016

Erfahrungsräume und Identitäten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft sind das Thema von Band 35 der Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau

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Erfahrungsräume und Identitäten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft sind das Thema von Band 35 der Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau
Mit Erfahrungsräumen und Identitäten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft beschäftigt sich Band 35 der Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau. Die Quellengrundlage der Arbeit bilden 50 lebensbiographische Einzelinterviews sowie bislang unveröffentlichte Schriftquellen aus 18 Archiven.
 

»Im Frühjahr 1947 flüchteten Tausende Ostpreußen vor dem drohenden Hungertod nach Litauen. Die meisten von ihnen waren Kinder und Jugendliche, die sogenannte Wolfskinder. Wer von einer litauischen Familie aufgenommen werden wollte, musste seine Herkunft verschleiern und rasch in eine neue Identität, Sprache und Kultur hineinwachsen, deshalb mieden sich die jungen Ostpreußen fortan gegenseitig. Trotzdem wurden sie von der litauischen Bevölkerung und den Behörden weiterhin als Kollektivum wahrgenommen und später mehrheitlich repatriiert.

Auch nach ihrer Rückkehr in die deutsche Gesellschaft und unbeeinflusst von den weiteren jeweils durchlaufenen Identitätsbildungsprozessen blieben die Betroffenen Einzelkämpfer. Weder in der Bundesrepublik noch in der DDR gab es einen öffentlichen Kommunikationsraum für ihre Erinnerungen – sie blieben auf ganzer Linie erinnerungseinsam, eine kollektive Wolfskinder-Identität konnte sich nicht ausbilden. Dies änderte sich auch nach 1989/90 nicht wesentlich, als sich die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit primär auf die in Litauen verbliebenen Wolfskinder richtete.

Die Quellengrundlage der Arbeit bilden 50 lebensbiographische Einzelinterviews sowie bislang unveröffentlichte Schriftquellen aus 18 Archiven. Im Mittelpunkt des Werkes steht die Frage, welche Selbstbilder die Zeitzeugen in ihrem von multiplen Verlust- und Einsamkeitserfahrungen geprägten Dasein entwickelt haben. Dadurch ergibt sich ein bisher nicht existenter Tiefenblick in die für Wolfskinder charakteristischen Verflechtungen von Defensiverlebnissen und Überlebenskünsten.

Der Autor

Christopher Spatz, geb. 1982, studierte Geschichte und Germanistik an der Carl von Ossietzky-Universität in Oldenburg. Das vorliegende Buch geht auf seine an der Berliner Humboldt-Universität entstandene Dissertation zurück.«
(Quelle: fibre Verlag)

Spatz, Christopher: Ostpreußische Wolfskinder. Erfahrungsräume und Identitäten in der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau 35. Osnabrück: fibre Verlag, 2016. 239 S., Karte
29,80 €, ISBN 978-3-944870-40-3

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