08.07.2019

Gespräch mit Richard Swartz über die Einsamkeit der Osteuropäer in unseren Tagen

Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2019
Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2019
Gespräch mit Richard Swartz über die Einsamkeit der Osteuropäer in unseren Tagen
Die schlichten Vorstellungen, dass Ost- und Westeuropa nach dem Ende des Kalten Krieges mehr oder weniger harmonisch zusammenwachsen würden, haben sich nicht bewahrheitet. Der schwedische Schriftsteller Richard Swartz ist ein profunder Kenner Ostmitteleuropas. Er legt die historischen Gründe dar.

Von Achim Engelberg

[…]

NZZ: 1938 war die Tschechoslowakei gerade mal zwanzig Jahre alt. Zuvor waren die meisten Länder Osteuropas Teil von Imperien, des Habsburgerreiches, des Russischen Reiches, des Osmanischen Reiches. Aus deren Zerfall sind sie wie Scherben hervorgegangen, unfähig, ein neues Ganzes zu bilden.

Richard Swartz: Die Staaten in Osteuropa sind zu klein, um sich gegen Kolosse wie gestern die Sowjetunion oder morgen China zu behaupten. Nach 1990 erhielten diese Länder eine zweite Chance, indem sie unter das Dach der EU, aber auch der Nato schlüpfen konnten. Die EU ist heute in der Krise, aber wir haben in Europa nichts Besseres. Dennoch scheren jetzt viele in Richtung autoritäres Russland und China aus, ohne zu verstehen, dass sie nur ein politischer Spielball sind, was ja leicht auch für Europa gilt. Auf eigene Faust schafft es keiner mehr. Die Briten sind gerade dabei, den Fehler zu wiederholen, den die Völker des Habsburgerreiches 1918 im blinden nationalen Furor begangen haben. […]

 

»Europa ist kleiner geworden«»Europa ist kleiner geworden«
Das gesamte Gespräch in der Online-Ausgabe der NZZ

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