11.07.2019

Kulturkorrespondenz östliches Europa, № 1406 | Juli 2019

Martina Schneibergová
Martina Schneibergová
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Kulturkorrespondenz östliches Europa, № 1406 | Juli 2019
Die Ausstellung präsentiert das Schicksal von deutschen und tschechischen Familien, die in ein und demselben Haus leben und gelebt haben. Die Wanderausstellung, die zurzeit in der Bayerischen Repräsentanz in Prag zu sehen ist, wurde von der Organisation Antikomplex zusammengestellt.

 

<br> Einblick in die zweisprachige Ausstellung

Deutsch-tschechische Wanderausstellung

Erika Rahnsch wagte nicht zu hoffen, ihr Geburtshaus jemals wieder von innen zu sehen. Sie war 17 Jahre alt, als ihre Familie die nordböhmische Gemeinde Kittlitz/Kytlice verlassen musste. Sie musste gehen, auch wenn es Erikas Mutter damals gelungen war, ihre tschechischen Wurzeln nachzuweisen. Zum ersten Mal besuchte Erika Ransch auf Drängen ihrer Söhne erst nach fast fünfzig Jahren Kytlice wieder. Ihr Geburtshaus sah sie nur von außen, es sah verlassen aus. Sie traute sich damals noch nicht, an die Tür zu klopfen. Das tat sie erst einige Jahre später, nachdem sie erfahren hatte, dass das Haus junge Tschechen gekauft haben. Es sei, als ob die Geschichte an seine Tür geklopft habe, erzählte danach der neue Besitzer. Er wollte schon vorher recherchieren, wer früher einmal in dem Haus gelebt hat.

So fängt eine der Geschichten von tschechisch-deutschen Freundschaften an, die in der Ausstellung Unter einem Dach präsentiert werden. Sie zeigt das Schicksal von deutschen und tschechischen Familien, die in ein und demselben Haus leben und gelebt haben. Die Wanderausstellung, die zurzeit in der Baye­rischen Repräsentanz in Prag zu sehen ist, wurde von der Organisation Antikomplex zusammengestellt.

Die Idee sei im Rahmen des Projekts »Versöhnung 2016« entstanden, erzählt die Koordinatorin von Antikomplex, Maja Konstantinović. Sie erläutert: »Wir wollten auf Freundschaften aufmerksam machen, die zeigen, wo die Versöhnung schon gelungen ist oder wo sie auf einem guten Weg ist.«

Die Mitarbeiter von Antikomplex haben zuerst in einer Ausschreibung nach deutschen und tschechischen Familien gesucht, die durch ein Haus zusammengeführt wurden. Gemeldet haben sich sehr viele Menschen, aber nicht alle waren dann bereit, ihre Identität preiszugeben. Anhand von zahlreichen Interviews wurden schließlich sieben Häuser ausgesucht. Die Geschichten deren früheren und gegenwärtigen Bewohner werden in der Ausstellung beschrieben. Die deutschen Familien haben die Kontakte zu Tschechen, die in ihrem Geburtshaus wohnen, meist erst nach der Wende von 1989 geknüpft. In manchen Fällen gab es die Begegnungen jedoch schon vorher.

Den Besuchern steht auch ein Ausstellungsführer in Deutsch und in Tschechisch zur Verfügung. Bestandteil der Ausstellung ist zudem eine Videoaufnahme vom feierlichen Treffen, das 2016 im Rahmen des Projektes »Versöhnung 2016« in Prag stattfand. Die Wanderausstellung Unter einem Dach ist bis Ende August 2019 zu sehen.

 

 

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