17.07.2003

Dokumentation der Debatte über das umstrittene Projekt

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Dokumentation der Debatte über das umstrittene Projekt
Skulptur Abschied von Renate Janischowsky im litauischen Klaipėda/Memel. Das im Jahre 2002 errichtete Denkmal erinnert an das Schicksal der aus ihrer Heimat vertriebenen und geflohenen Memelländer Foto

Im Sommer 1999 äußerte Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, den Vorschlag, in Berlin ein »Zentrum gegen Vertreibungen« als Museum, Archiv und Gedenkstätte zu errichten. Auf dem ersten Potsdamer Forum im Februar 2002 forderte Markus Meckel, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Parlamentariergruppe, ein solches Zentrum als europäisches Projekt in Breslau zu gründen. Damit stieß er eine lebhafte Diskussion v.a. in Deutschland und Polen an. Auch der Deutsche Bundestag befasste sich im Juli 2002 mit der Gründung eines europäischen »Zentrums gegen Vertreibungen«.

Diese Diskussion reißt seitdem nicht ab. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht dabei eine Frage, die auf einer Podiumsdiskussion des Deutschen Kulturforums am 25. Juni 2003 von einer Runde prominenter und unmittelbar beteiligter Personen diskutiert wurde: »Ein Zentrum gegen Vertreibungen – Nationales Gedenken oder europäische Erinnerung?«.

Mit auf dem Podium saß auch Markus Meckel, der mit seinem jüngsten, am 14.07.2003 veröffentlichten Aufruf »Gemeinsame Erinnerung als Schritt in die Zukunft. Für ein Europäisches Zentrum gegen Vertreibungen, Zwangsaussiedlungen und Deportationen – Geschichte in Europa gemeinsam aufarbeiten« die Debatte neu entfacht hat. In dem Aufruf warnt der SPD-Politiker vor einer zu starken nationalen Gewichtung des geplanten Zentrums:

»Die Gestaltung eines solchen Zentrums als vorwiegend nationales Projekt, wie es in Deutschland die Stiftung der Heimatvertriebenen plant, ruft das Misstrauen der Nachbarn hervor und kann nicht im gemeinsamen Interesse unserer Länder sein. Es birgt die Gefahr, das Leid der Einen gegen das Leid der Anderen aufzurechnen und die sehr unterschiedlichen Ursachen und Kontexte von Vertreibungen, Zwangsumsiedlungen und Deportationen zu vernachlässigen.«

Unterzeichnet wurde der Aufruf bis heute von ca. 100 namhaften Politikern, Wissenschaftlern und Publizisten.

Gleichzeitig formulieren sich jedoch quer durch die Parteien Unverständnis und Ablehnung gegen diesen Vorstoß. Peter Glotz, SPD, neben Erika Steinbach Vorsitzender der »Stiftung Zentrum gegen Vertreibungen«, wies die Kritik an dem Projekt zurück:

»Man muss uns nicht aufrufen, das europäisch zu machen. Das wollen wir selbst« (Süddeutsche Zeitung, 15.07.2003)

Das Deutsche Kulturforum möchte den Verlauf der Debatte in der deutschen und auch europäischen Öffentlichkeit dokumentieren.

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