Landesgeschichte mit Unterbrechungen

Landesgeschichte mit Unterbrechungen
Landesgeschichte mit Unterbrechungen
Handwerkserzeugnisse in der Altstadt von Mostar vor dem Hintergrund der alten Steinbrücke in Mostar.

Fläche: 50.197 km²

Einwohner: 4,62 Mio.

Hauptstadt: Sarajevo
Amtssprachen: Bosnisch, Serbisch, Kroatisch

Währung: Marka

Deutsche in der Geschichte der Region

Bosnien-Herzegowina verfügte nur während kurzer historischer Zeitabschnitte über politische Eigenständigkeit: Das mittelalterliche Bosnien wurde immer wieder von Ungarn bedrängt und in dessen Abhängigkeit gebracht. 1463 geriet Bosnien unter osmanische Herrschaft und wurde integraler Teil des Osmanischen Reiches. Die lokalen Eliten und Bevölkerungen assimilierten sich großteils. Während des Zerfalls der osmanischen Macht wurden die innerhalb dieses Gebiets widerstreitenden Identitäten zunächst durch die Besetzung (1878) und Annexion (1908) Österreich-Ungarns, nach 1918 schließlich durch die Integration ins südslawische Königreich sowie ins spätere Jugoslawien überdeckt. Mit dem Zerfall der kommunistischen Regime brachen sich die überwiegend konfessionell definierten Nationalismen Raum und führten 1992–1995 zu einem zerstörerischen Krieg auf dem Gebiet des seit 1992 unabhängigen Bosnien-Herzegowina.

Deutsche Bergleute schürfen nach Silber

Deutsche Bezüge finden sich an zwei voneinander unabhängigen Stellen in der Landesgeschichte: Zunächst im 13. bis 15. Jahrhundert, als deutsche Bergleute hier genauso wie in Serbien oder Ungarn vor allem für den Edelmetallabbau gewonnen wurden. Die Hauptorte der »Saxones« (südslawisch sasi) waren Neuenberg (Novo Brdo), Bergsau (Brskovo) oder Trepča, allerdings auch Srebrenica (Silberstadt). Das deutsche Bergrecht hat sich im »Kanun sas« selbst in osmanischer Zeit erhalten, die deutschen Siedlungen verschwanden jedoch gegen Ende des Mittelalters. Die letzten Zeugnisse stammen aus der frühen Neuzeit.

Zweite Siedlungswelle im 19. Jahrhundert

Schließlich entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts deutsche Ansiedlungen wie Rudolfsthal und Windthorst. Bereits in osmanischer Zeit ließen sich Kolonialisten im Umfeld eines deutschen Trappistenklosters unweit Banja Luka nieder, verstärkt ab 1878, nach der Okkupation durch Österreich-Ungarn. Ab Ende der 1880er Jahre entstanden im Nordosten des Landes eine ganze Reihe deutscher Orte an Drina und Sawe wie beispielsweise Franzjosefsfeld (Petrovo Polje). Die überwiegende Zahl der Siedler kam aus donauschwäbischen Gegenden. Es folgte eine staatlich geförderte Siedlungswelle um 1900 vor allem im Bosnatal, bei der unter anderem zwölf deutsche Orte mit überwiegend russlanddeutschen Siedlern entstanden. Schließlich kamen deutsche Arbeitersiedlungen an Industriestandorten hinzu. Die Volkszählung 1910 wies rund 23.000 Deutsche in Bosnien-Herzegowina aus, eine jugoslawische Zählung von 1921 nur mehr 16.500. Nach stark eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten während der Zwischenkriegszeit kam es 1942 zu einem deutsch-kroatischen Umsiedlungsabkommen, das bis auf vier größere, weitgehend geschlossene Siedlungen den Transfer der gesamten deutschen Einwohner Bosnien-Herzegowinas herbeiführte. Nach den Vertreibungen und Internierungen in der Folge des Zweiten Weltkriegs wurden 1948 noch 1.263 Deutsche im Bundesland gleichen Namens gezählt. Heute versuchen einzelne Initiativen vor allem von Deutschland aus, Zeugnisse des deutschen Kulturerbes in Bosnien zu bewahren, wie etwa die katholische Kirche in Windthorst (Nova Topola).

Literatur

Gündisch, Konrad: »Saxones« im Bergbau in Siebenbürgen, Bosnien und Serbien. In: Grimm, Gerhard; Zach, Krista (Hrsg): Die Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa. Bd. 2, München 1996, S. 119-132.

Bohmann, Alfred : Menschen und Grenzen. Bevölkerung und Nationalitäten in Südosteuropa. Bd. 2, Köln 1969 (vergriffen).

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