am 5. Oktober 2008 im Rahmen des internationalen literaturfestivals berlin im Haus der Berliner Festspiele

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am 5. Oktober 2008 im Rahmen des internationalen literaturfestivals berlin im Haus der Berliner Festspiele
Bericht und Fotostrecke / Im Oktober und November folgen zwei Begleitveranstaltungen mit beiden Preisträgern
Auf der Bühne des Hauses der Berliner Festspiele (v.l.n.r.): Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Georg Dehio-Buchpreisträger Richard Wagner, Dr. Doris Lemmermeier, Direktorin des D
Richard Wagner, links, wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet; Andreas Kossert erhielt den Preis für sein Buch ostpreußen. geschichte und mythos.
Joachim Sartorius (links), der Leiter der Berliner Festspiele, die neben dem Deutschen Kulturforum und dem internationalen literaturfestival berlin zu den Gastgebern der Preisverleihung gehörten. Neben ihm György Dalos, der die Laudatio auf Richard Wagner
Hielt die Laudatio auf Richard Wagner: Der ungarische Schriftsteller György Dalos
Der Laudator für Andreas Kossert war der britische Historiker Christopher Clark
Sorgten für das musikalische Programm: Die vier Bläser des »Saxofonquadrat«
Dr. Doris Lemmermeier, die Direktorin des Deutschen Kulturforums, das alle zwei Jahre den Georg Dehio-Buchpreis vergibt.
Richtete ebenfalls ein Grußwort an die Gäste: Joachim Sartorius, Leiter der Berliner Festspiele und neben dem Deutschen Kultruforum und dem internationalen literaturfestival Gastgeber der Veranstaltung
Ingeborg Berggreen-Merkel, Richard Wagner, Doris Lemmermeier, Andreas Kossert (v.l.n.r.)

Bericht und Fotostrecke | Im Oktober und November folgen zwei Begleitveranstaltungen mit beiden Preisträgern

Der georg dehio-buchpreis 2008 des Deutschen Kulturforums wurde den beiden Autoren Richard Wagner und Andreas Kossert am vergangenen Sonntag feierlich im Haus der Berliner Festspiele überreicht. Die Preisverleihung vor ca. 250 Besuchern, darunter neben offiziellen Vertretern der Länder Rumänien und Polen viele Freunde und Kollegen der beiden Preisträger, war zugleich die Abschlussveranstaltung des renommierten internationalen literaturfestivals berlin.

Aus den Händen von Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und Dr. Doris Lemmermeier, Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa nahmen Richard Wagner und Andreas Kossert die Urkunden in Empfang. Die Laudationes hielten György Dalos und Christopher Clark, für die musikalische Umrahmung sorgte das saxophonquadrat. Neben anderen – siehe unten – berichtete unter anderem die RBB Abendschau über die Preisverleihung.

Eine siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz von Nina Hartl vom Berliner Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes hatte im Juni den Hauptpreis dem Schriftsteller Richard Wagner zugesprochen. In der Begründung der Jury heißt es:

»1952 im rumänischen Banat geboren, gehört Wagner zu den produktivsten und vielseitigsten Schriftstellern seiner Generation. 1973 debütierte er in Rumänien mit einem ersten Gedichtband und war einflussreicher Mitbegründer der »Aktionsgruppe Banat«, einer literarischen Vereinigung junger oppositioneller rumäniendeutscher Autoren. Seitdem ist er, vor allem nach seiner Übersiedlung in das damalige West-Berlin 1987, mit über dreißig Titeln – Gedichten, Erzählungen, Romanen und Sachbüchern – sowie zahlreichen journalistischen Beiträgen als wichtige Stimme in den literarischen und publizistischen Diskursformen zu verschiedensten Fragen der europäischen politischen Umbrüche zu hören. Wagner hat aus seiner ethnisch und kulturell vielfältig geprägten Heimat nicht nur unauslöschliche Erinnerungen und Erfahrungen mitgebracht und diese literarisch verarbeitet, sondern auch den sezierenden Blick, der die Welt, in der er lebt und an der er kritisch partizipiert, illusionslos durchdringt.«

Der ungarische Schriftsteller György Dalos hob in seiner Laudatio auf Richard Wagner hervor, dass

» … in der Belletristik vor allem diejenigen Autoren Recht (haben), die spannend und wahrhaftig gültige Texte schreiben können –, und dies lässt sich über Richard Wagner mit gutem Gewissen und einer Dosis Bewunderung für seinen schier unerschöpflichen Stoffreichtum behaupten. Das Eigenartige seines Erzähltalents besteht in jener außergewöhnlichen Glaubwürdigkeit, welche seine Figuren und Situationen auszeichnet.«

Der Ehrenpreis des Georg Dehio-Buchpreises ging an Andreas Kossert für seine Publikation Ostpreußen. Geschichte und Mythos.

»Der Autor beschreibt die Historie Ostpreußens, das nicht nur in Deutschland zum Mythos geworden ist, in einer Gesamtschau. Im Gegensatz zu bisherigen Darstellungen legt Kossert seinen Schwerpunkt auf die Mentalitäts- und Ideengeschichte und bezieht dabei die Sichtweisen der masurischen, der litauischsprechenden und der jüdischen Bevölkerungsgruppen ein. Er beleuchtet die von nationalen Mythen und ideologischen Belastungen geprägte europäische Region multiperspektivisch, wobei er Tabuthemen aufarbeitet und Stereotypen entlarvt. Souverän, stilistisch elegant und dabei stets wissenschaftlich fundiert, vermag Kossert es, das umfangreiche historische Material zu präsentieren und die komplexe Thematik ›Ostpreußen‹ einer breiten Leserschaft zu erschließen.«,

begründete die Jury ihre Entscheidung. Der britische Historiker Christopher Clark wies in seiner Laudatio auf Andreas Kossert darauf hin, dass dieser

»… gewiß nicht der Erste (ist), der es gewagt hat, dieses heikle Thema anzugehen. Sein Buch beleuchtet die Geschichte Ostpreußens jedoch aus einer vollends neuen Perspektive. Ihm geht es eben nicht um versunkenes »deutsches Erbe«, sondern um Ostpreußen als einen Raum der kulturellen und ethnischen Vielfalt, ein Land, dessen Geschichte von Hugenotten, reformierten Glaubensflüchtlingen aus Hessen-Nassau und dem Siegerland, Schweizern aus Neuchâtel, schottischen Kalvinisten, polnischen und Salzburger Protestanten, Litauen, Letten und russischen Philipponen geformt wurde. Denn Ostpreußen war mitnichten das »Bollwerk des Deutschtums im Osten« – dieses Klischee wird von Kossert mitsamt vieler anderer Mythen geschickt demoliert –, sondern eine Schnittstelle mehrerer Welten.«

Im Anschluss an die offizielle Zeremonie folgte ein kleiner Empfang im Haus der Berliner Festspiele, der im Literaturhaus in der Fasanenstraße fortgesetzt wurde, wo der Abend schließlich bei anregenden Gesprachen ausklang.

Begleitveranstaltungen

Im Rahmen der diesjäjrigen Georg Dehio-Buchpreisvergabe finden zwei Begleitveranstaltungen mit jeweils einem der beiden Preisträger statt.

Donnerstag, 30.10.2008 | 18.00 Uhr
Vertretung des Landes Brandenburg beim Bund (In den Ministergärten 1, 10117 Berlin)
Ankunftsgeschichten – Ostpreußen nach 1945
Ein Gespräch mit dem Georg Dehio-Buchpreisträger Andreas Kossert, Kornelia Kurowska (Olsztyn/Allenstein) und Alexandr Solugubow (Kaliningrad) | Moderation: Manfred Sapper
(eine Anmeldung ist erforderlich)

Donnerstag, 27.11.2008 | 20.00 Uhr
Literaturhaus Berlin (Fasanenstraße 23, 10719 Berlin)
Von Dutschke und Dubček zu Starbucks und Skype?
68 in Ost und West und die Freiheit jetzt | Podiumsdiskussion mit dem »Georg Dehio-Buchpreis«-Träger Richard Wagner sowie György Dalos und Thea Dorn | Moderation: Maike Albath

Links

Verleihung des Georg Dehio Buchpreises
Die Auszeichnung geht 2008 an Richard Wagner | Ehrenpreis für Andreas Kossert

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