26.03.2017 - 08.10.2017
Haus Schlesien
Dollendorfer Str. 412, 53639 Königswinter-Heisterbacherrott, Deutschland

Kirchfahrer, Buschprediger, betende Kinder

500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien. Eine Ausstellung im Rahmen unseres größeren Ausstellungsprojekts »Reformation im östlichen Europa«

Die Reformation in der Folge des sogenannten Thesenanschlags Martin Luthers an der Wittenberger Schlosskirche 1517 bildet unbestritten einen der wichtigsten Einschnitte der europäischen Geschichte. Vor allem erfasste diese Entwicklung rasch alle Landstriche östlich Kursachsens, in denen deutsch gesprochen wurde, und strahlte von dort auf die Nachbarländer aus – so auch nach Schlesien

Schlesien gehört zu den Kernländern der Reformation. Seit den 1520er Jahren breitete sich die Lehre Martin Luthers im Bürgertum und im niederen Adel aus und fand bald auch unter den schlesischen Fürsten einflussreiche Förderer. Bis zum Ende des 16. Jahrhunderts waren drei Viertel der Gemeinden Schlesiens evangelisch geworden.

In der Auseinandersetzung mit der Gegenreformation konnte sich der schlesische Protestantismus behaupten, selbst als große Teile der Bevölkerung – während des 30jährigen Krieges auch mit Mitteln der Gewalt – zum Katholizismus zurückgeführt wurden. Die im Westfälischen Frieden 1648 garantierten drei Friedenskirchen bildeten den Ausgang für eine Konsolidierung der lutherischen Konfession. Sie waren die Grundlage für die seit dem 18. Jahrhundert redensartlich gewordene »schlesische Toleranz« in einem bikonfessionellen Land.

Die Ausstellung verfolgt die Geschichte der Protestantismus in Schlesien in der Epoche der Industrialisierung und durch die Katastrophen und Bewährungen des 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ein »roter Faden« ist die Frage nach der Aktualität des Protestantismus und seiner Geschichte in einem heute überwiegend katholischen Land. Gerade die polnische evangelische Minderheit wurde seit den 1960er Jahren in Zusammenarbeit mit den heimatvertriebenen schlesischen Protestanten und der Evangelischen Kirche in beiden deutschen Staaten zu einem Träger der deutsch-polnischen Versöhnung.  

Die fünfzehn Tafeln der Ausstellung werden nach der Präsentation im Haus Schlesien in Königswinter auch in Breslau/Wrocław, Schweidnitz/Świdnica, Kattowitz/Katowice, Teschen/Cieszyn, Oppeln/Opole und Hirschberg/Jelenia Góra gezeigt. Weitere Ausleihen sind möglich.

Eröffnung

Sonntag, 26. März 2017
15:00 Uhr
Eichendorffsaal
weitere Informationen

Begleitveranstaltungen

Donnerstag, 20. April 2017, 14:30 Uhr
Auf fruchtbaren Boden
Rasche Ausbreitung der Reformation
Öffentliche Führung durch die Ausstellung

28. und 29. April 2017
Zwischen Heilsgewissheit und Toleranz
Tagung

Donnerstag, 18. Mai 2017, 14:30
Der geteilte Himmel
Glaubenskämpfe und Sieg der Toleranz in Schlesien
Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 2. Juli 2017, 15:00 Uhr
Bethäuser, Friedens- und Gnadenkirchen
Der protestantische Kirchenbau in Schlesien
Bildvortrag von Dr. Inge Steinsträßer

Donnerstag, 20. Juli 2017, 14:30
Konfessionalisierung im Kirchenraum
Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Donnerstag, 17. August 2017, 14:30
Verschiebung der Glaubensmehrheit
Folgen der Vertreibung für die evangelische Kirche Schlesiens
Öffentliche Führung durch die Ausstellung

3. bis 10. September 2017
Studienreise
Eine Reise in die evangelische Vergangenheit Schlesiens

Donnerstag, 21. September 2017, 14:30
Kirche als Beheimatung
Aufbau neuer Gemeinden durch die Vertriebenen
Öffentliche Führung durch die Ausstellung

Sonntag, 1. Oktober 2017, 15:00
Der Luthereffekt im östlichen Europa
Luther und der reformatorische Buchdruck im östlichen Europa
Buchvorstellung mit Prof. Dr. Detlef Haberland

Wanderausstellung

Aus Anlass des 500. Jahrestags des Beginns der Reformation 2017 will das Deutsche Kulturforum östliches Europa mit mehreren Wandersausstellungen dieses Thema einer breiten Öffentlichkeit in Deutschland und in den heute betroffenen Ländern ins Bewusstsein rufen: Sieben Ausstellungsmodule, meist mehrsprachig, werden sukzessive ab Herbst 2016 präsentiert. Durch den Verweis auf das östliche Europa soll zugleich dem Themenjahr »Reformation und die eine Welt« der Lutherdekade Rechnung getragen werden, das die europa- und weltweiten Bezüge des Reformationsgeschehens in den Mittelpunkt stellt.

Die Wanderausstellung »Reformation im östlichen Europa« besteht aus einer Überblicksdarstellung sowie sechs Regionalmodulen:

  • Polen-Litauen und Preußenland (dt./poln.)

  • Pommern und Ostbrandenburg (dt./poln.)

  • Schlesien (dt./poln.)

  • Böhmen und Mähren (dt./tschech.)

  • Oberungarn/Slowakei (dt./slow./ung.)

  • Siebenbürgen (dt./rum./ung.).

(Die ersten Stationen wurden im September eröffnet, bis Frühjahr 2017 folgen alle weiteren Module.)

Eine Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa. Gezeigt in Zusammenarbeit mit dem Haus Schlesien.

Weitere Partner sind die Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien in Görlitz und die Diözesen Wrocław, Katowice und Cieszyn der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen/Kościół Ewangelicko-Augsburski (Luterański) w Polsce

Lage


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