11.09.2014 , 19:00

Doppelte Landnahme

Lesung mit Christoph Hein und Olga Tokarczuk zur feierlichen Eröffnung der »Literaturtage an der Neiße 2014«

Mit einer Lesung der Schriftsteller Christoph Hein und Olga Tokarczuk werden am 12. September 2014 die ersten »Literaturtage an der Neiße 2014« feierlich eröffnet. Zur Eröffnung sprechen der Oberbürgermeister von Görlitz, Siegfried Deinege, der Bürgermeister von Zgorzelec, Rafał Gronicz, und Winfried Smaczny, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Kulturforums östliches Europa.

Bernhard Haber ist zehn, als er 1950 aus Breslau in eine sächsische Kleinstadt kommt, wo man Vertriebene und Ausgebombte lieber heute als morgen wieder abreisen sähe. Bernhards Vater ist Tischler, aber die Einheimischen bestellen ihre Möbel natürlich nicht bei Fremden. Dass Bernhard eine Tischlerlehre beginnt, wundert niemanden, eher schon, dass er Jahrzehnte später einer der mächtigsten Männer des Ortes ist. Es ist der Lebenslauf eines Außenseiters in der Provinz, der mit der großen Geschichte scheinbar nichts zu tun hat und doch die Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis zur Jahrtausendwende exemplarisch spiegelt.

Mit Landnahme (Suhrkamp 2004) profiliert sich Christoph Hein einmal mehr als Chronist und Analytiker deutscher Zeitgeschichte und nähert sich dabei auch seinem eigenen Lebensweg. Der 1944 in Schlesien geborene Pfarrersohn konnte in der DDR das Abitur nicht ablegen. Nach dem Mauerbau arbeitet er in verschiedenen Berufen und studiert. Schließlich wird er Dramaturg an der Volksbühne Berlin. Als freier Schriftsteller, erster Präsident des vereinigten PEN-Clubs und vielfacher Literaturpreisträger gilt er heute als einer der renommiertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart.

In ihrem Essay über Das Schneewittchen-Syndrom und andere niederschlesische Träume malt Olga Tokarczuk die Erinnerungslandschaft Niederschlesien, die sich wie ein ganzes Universum von Orten an der Oder entlang zieht. Gerade in Zeiten der Identitätslosigkeit begreift sie das Einzugsgebiet des Flusslaufs als »wahres, fundamentales, physisches und biologisches Land«, mit dem sie und so viele andere reale und fiktive Persönlichkeiten verwurzelt sind. Das Leben als Schriftstellerin sieht sie als Herausforderung, Niederschlesien am Leben zu erhalten. Dafür verwebt sie existierende und erdachte Biografien, um sie zu verewigen, endgültig zu retten oder schmerzliche Lücken zu schließen. Dabei leidet sie am viel beschriebenen »Schneewittchensyndrom«: dem unbehaglichen Gefühl, den intimen Raum eines anderen betreten zu haben.

Olga Tokarczuk wurde 1962 in Sulechów, deutsch Züllichau, geboren und studierte Psychologie in Warschau. Die Nike-Literaturpreisträgerin gilt als eine der interessantesten polnischen Autorinnen. Sie stellt ihr Essay vor.

Das Gespräch mit beiden Autoren wird von dem promovierten Historiker und Autor Andreas Kossert (Berlin) moderiert, der für seine Arbeit mit dem Georg Dehio-Buchpreis des Deutschen Kulturforums östliches Europa ausgezeichnet wurde.

Eintritt

8,– €
4,– € ermäßigt
Karten nur an der Abendkasse!

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa und der Görlitzer Kulturservicegesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Gerhart Hauptmann-Theater im Rahmen der Literaturtage an der Neiße 2014

Lage

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