15.06.2013 - 14.07.2013
Sankt Stephan Kirche
Zingelstraße 49, 16307 Gartz (Oder)

Innovation und Tradition

Hinrich Brunsberg und die spätgotische Backsteinarchitektur in Pommern und der Mark Brandenburg. Eröffnung am 14. Juni 2013 um 18 Uhr

Pfarrkirche Sankt Stephan in Gartz. Der Chor von Südosten

Hinrich Brunsberg (um 1350 bis nach 1428) ist neben den Parlern einer der bedeutendsten und auf dem Gebiet der Backsteinarchitektur einer der wenigen namentlich bekannten mittelalterlichen Baumeister im südlichen Ostseeraum. Er wirkte um 1400 vor allem in Pommern und in der Mark Brandenburg. Die mit seinem Namen verbundenen Bauwerke gehören zur Blütephase der Spätgotik in der Region. Die Ausstellung will an Hand der Kirchen, Rathäuser und Stadttore in Pommern (Pomorze Zachodnie bzw. województwo zachodniopomorskie), Brandenburg und der Neumark (Nowa Marchia) die für Brunsberg typische bauliche Gestaltung einer aufwendigen und dekorativen Zierarchitektur vorstellen, die in der Regel mit modernen Bau- und Raumformen der Zeit verbunden wurde. Außerdem will sie zeigen, dass die Mark Brandenburg und Pommern um 1400 einem einheitlichen Kulturraum angehörten.

Eine Inschrift an der Nordkapelle der Katharinenkirche in Brandenburg besagt, dass der Meister Hinrich Brunsberg von Stettin die Kirche 1401 errichtet habe. Diese Inschrift bildet den Ausgangspunkt, eine charakteristische Architekturgestaltung mit seinem Namen zu verbinden. Über das Leben Hinrich Brunsbergs ist wenig überliefert. Vermutlich stammte er oder zumindest seine Familie aus dem Ordensland. Erstmals greifbar wird sein charakteristischer Dekor aus aufwendigen Formsteinprofilen, feingliedrigen Maßwerkfüllungen und Ziergiebeln an dem um 1389 fertiggestellten Chor der Marienkirche im pommerschen Stargard/Stargard Szczeciński. Bauwerke mit vergleichbarer Gestaltung finden sich in Stettin/Szczecin, Königsberg in der Neumark/Chojna, Prenzlau und Gartz.

Ungefähr zur selben Zeit wie die Marienkirche in Stargard begann man in Stettin mit dem Bau der St. Jacobikirche. Die Grundkonzeption mit den Kapellen zwischen den eingezogenen Strebepfeilern ist vergleichbar, allerdings findet sich der für Brunsberg charakteristische Bauschmuck nur an der unteren Zone der südlichen Querhauswand. Die reiche Gliederung der Fassaden und die Giebelgestaltung des später entstandenen Rathauses in Stettin sowie die der Kirche St. Peter und Paul sind Kennzeichen der Architektur des Hinrich Brunsbergs und seines Umfelds.

Hinrich Brunsberg ist jedoch nicht allein in leitender Position auf diesen Baustellen tätig. 1411 wird in Brandenburg der Stettiner Baumeister Nikolaus Craft und 1412 in Prenzlau der ebenfalls aus Stettin stammende und sicher mit Hinrich verwandte Claus Brunsberg fassbar, die für die moderne Technologie sowie den charakteristischen Dekor verantwortlich zeichneten. Offenbar arbeitete Brunsberg mit mehreren hoch qualifizierten Bauleuten eng zusammen. Die reich gestaltete Backsteinarchitektur des Hinrich Brunsberg lässt sich auch als Gegenentwurf zu der sachlich schlichten Architektur norddeutscher Hansestädte verstehen.

Die Stadt Gartz gehörte in der Zeit um 1400 zu Pommern und war ein Mitglied der Hanse. Die Pfarrkirche Sankt Stephan ist bereits im 13. Jahrhundert nachweisbar. 1261 wurde sie dem Stettiner Kollegiatsstift inkorporiert, was für eine enge Verbindung zum Stettiner Hof spricht. Zu dieser Zeit hatte ein Gartzer Pfarrer das Amt des herzoglichen Schreibers bzw. sogar des Kanzlers inne. Die Beziehung zum Stettiner Hof zeigt sich auch darin, dass man sich für den Neubau der Kirche im späten 14. Jahrhundert an der prächtigsten und sicher auch teuersten Architektur orientierte, die in dieser Zeit in Pommern existierte. Bauleute aus dem Umkreis Hinrich Brunsbergs wurden hinzugezogen. Diese arbeiteten nur eine Tagesreise von Gartz entfernt an der Fertigstellung der Königsberger (heute Chojna) Marienkirche und hatten in der Brandenburger Neustadt mit der Errichtung der Katharinenkirche begonnen.

Autor/Kooperationspartner

Die von Dirk Schumann M.A., Berlin im Auftrag des Deutschen Kulturforums östliches Europa konzipierte zweisprachige Fotoausstellung mit Fotografien des Berliner Fotografen Thomas Voßbeck wurde in Kooperation mit dem Nationalmuseum in Stettin erstellt. Gezeigt in Zusammenarbeit mit der Sankt Stephan Kirche Gartz (Oder)

Ausstellungseröffnung

Freitag, 14. Juni 2013, 18:00 Uhr

Öffnungszeiten und Lage

Mo–Sa 14–17 Uhr und nach Vereinbarung

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