27.08.2016

CD mit Klaviertrios von Frédéric Chopin und seinem Lehrer Joseph Elsner, gespielt vom Trio Margaux auf historischen Instrumenten. Erschienen im August 2016

CD mit Klaviertrios von Frédéric Chopin und seinem Lehrer Joseph Elsner, gespielt vom Trio Margaux auf historischen Instrumenten. Erschienen im August 2016
CD mit Klaviertrios von Frédéric Chopin und seinem Lehrer Joseph Elsner, gespielt vom Trio Margaux auf historischen Instrumenten. Auf CD erschienen im August 2016 in der Edition Günther Hänssler, produziert vom Deutschen Kulturforum östliches Europa.

Frédéric Chopins Klaviertrio op. 8 ist, obwohl der Komponist es im Alter von nur 19 Jahren vollendete, eines seiner vollgültigen Meisterwerke. Chopin schrieb es in den Jahren 1828–1829, während des Studiums an der Königlichen Universität in Warschau, unter der Ägide seines Kompositionslehrers Joseph Elsner. Wie u.a. der Breslauer Musikologe Maciej Gołąb bemerkte, sah Chopin sich als debütierender Komponist mit drei zu lösenden Aufgaben konfrontiert: Es war dies die Aneignung der großen Form, sodann die Auseinandersetzung mit dem »brillanten Stil« der Klavierkompositionen seiner Zeitgenossen Hummel, Weber oder Ries und schließlich die Etablierung eines nationalen polnischen musikalischen Idioms, etwa durch Verwendung von Volkstänzen. In seinem Klaviertrio löste Chopin diese drei Aufgaben in hohem Maße meisterhaft. […] Chopins Trio op. 8 zeigt die frühe Meisterschaft des Komponisten, der unter der aufmerksamen Anleitung seines Lehrers Joseph Elsner eines der schönsten Klaviertrios der romantischen Epoche überhaupt schuf.

Joseph Elsner (1769-1854) wurde in Grottkau (Grotków) in Schlesien geboren und besuchte zunächst die Klosterschule der Dominikaner in Breslau (Wrocław), wo er als Chorknabe und Geiger ausgebildet wurde, dann die Jesuitenschule und das Leopoldinum, wo er zunächst Theologie, dann Medizin studierte. Mit zwanzig Jahren ging er nach Wien, und hier entschloss er sich zu einer musikalischen Laufbahn.

In Lemberg (Lviv), der Hauptstadt Galiziens war Elsner ab 1792 als Kapellmeister am städtischen Theater tätig. Er lernte hier Wojciech Bogusławski, den »Vater des polnischen Theaters«, kennen, der nach der dritten Teilung Polens Warschau verlassen musste. Elsner beschäftigte sich in Lemberg intensiv mit der polnischen Sprache und begann sich in der polnischen Kulturszene zu etablieren. So war er einer der Begründer der Lemberger philharmonischen Gesellschaft.

Als Bogusławski nach 1799 nach Warschau zurückging, lud er Elsner ein, die musikalische Leitung am dortigen Teatr Narodowy (Nationaltheater) zu übernehmen. In Warschau entfaltete Elsner eine überaus produktive Tätigkeit als Komponist und Pädagoge. 1801 schuf er die erste musikalische Notenstecherei in Warschau und veröffentlichte 24 Nummern einer musikalischen Monatsschrift mit dem Titel Auswahl schöner Musikwerke und polnischer Lieder. 1805 gründete er gemeinsam mit E.T.A. Hoffmann die Warschauer »musikalische Ressource«, der Polen und Deutsche angehörten.

Elsner veröffentlichte bereits 1803 eine Schrift, in der er die besondere Eignung der polnischen Sprache für den Gesang darlegte. Dies steht in direktem Zusammenhang mit seinen pädagogischen Bestrebungen: Er bemühte sich die Ausbildung in Musik, Deklamation und Gesang in polnischer Sprache in Warschau zu etablieren. Schließlich leitete Joseph Elsner die Hauptschule für Musik (Szkoła Główna Muzyki) an der Warschauer Universität, wo zu seinen Schülern Frédéric Chopin, Feliks Ignacy Dobrzyński u.a. gehörten.

Die Stellung Joseph Elsners als Schlesier in der Musikgeschichte Polens und Mitteleuropas ist geradezu exemplarisch. Im dreifach geteilten Polen galt Elsners Interesse vor allem der Entwicklung der polnischen Musik- und Theaterkultur. Während manche der Kirchenkompositionen Elsners heute in Polen wieder aufgeführt werden, blieb seine Instrumentalmusik bisher weitgehend vergessen. Besonders produktiv war Elsners Schaffen im Bereich der Kammermusik in seiner Lemberger Zeit. Damals (um 1798) veröffentlichte er u.a. drei Streichquartette, ein Klavierquartett und ein Klaviertrio. Das Klaviertrio in B-Dur, das auf dieser CD eingespielt ist, erschien im Druck in Wien unter dem Titel Grande Sonate pour le Clavecin ou Forte-piano avec Accompagnement d'un Violon et Violoncelle obligé. Formal entspricht es dem dreisätzigen Modell der Klaviertrios Haydns und Mozarts.

Trio Margaux

Das Trio Margaux mit Christoph Heidemann, Beni Araki und Martin Seemann (v.l.)

Das Trio Margaux mit Beni Araki (Hammerflügel), Christoph Heidemann (Violine) und Martin Seemann (Violoncello) widmet sich der Interpretation von Kammermusik der Klassik und Romantik auf historischen Instrumenten. Für die Profil-Edition Günter Hänssler spielte das Ensemble im Jahre 2007 E.T.A. Hoffmanns Klaviertrio E-Dur ein (PH 07063).

Frédéric Chopin, Joseph Elsner: Fortepiano Trios

World Premiere Recordings

 

Trio Margaux
Beni Araki, fortepiano*
Christoph Heidemann, violin
Martin Seemann, violoncello

Frédéric Chopin (1810–1849) – Trio G minor, op. 8

1 Allegro con fuoco 11:19
2 Scherzo. Vivace 06:53
3 Adagio. Sostenuto 06:05
4 Finale: Allegretto 06:35


Joseph Elsner (1769–1854) – Trio B-flat major (1798)

5 Allegro 08:47
6 Larghetto 05:02
7 Rondo. Allegro 05:02
  Total Time: 49:44


* Fortepiano by Johann Fritz, Vienna, approx. 1820 (Chopin)
Fortepiano by Robert Brown after a model by the Viennese master Miachael Rosenberger, 1805 (Elsner)

Frédéric Chopin, Joseph Elsner: Fortepiano Trios. Trio Margaux on period instruments.
Aufnahme: 2015, Andreas-Kirche, Berlin-Wannsee. Aufnahmeproduzent und digitale Bearbeitung: Uwe Walter, Dipl.-Tonmeister VDT. Produziert vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, Klaus Harer, in Kooperation mit Profil-Edition Günter Hänssler. Deutsch-englisches Booklet. Gesamtspielzeit 49:44
℗ 2015 by Deutsches Kulturforum östliches Europa
© 2016 by Profil Medien GmbH
13,99 €, Best.-Nr. PH16069 

CD-Bestellung

Deutsches Kulturforum östliches Europa
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