13.03.2019 , 19:00
Tschechisches Zentrum Berlin
Wilhelmstraße 44 / Eingang Mohrenstraße, 10117 Berlin

Kateřina Tučková: Gerta. Das deutsche Mädchen

Eine Lesung in der Veranstaltungsreihe »Tschechien erlesen: Deutsch-tschechische Familiengeschichten«

 

Gerta wächst in der zweisprachigen Familie Schnirch im mährischen Brünn/Brno auf. Die Mutter ist Tschechin, der Vater ist Deutscher und wie der Bruder ein Anhänger Hitlers. Mit der Errichtung des deutschen Protektorats 1938 zerfällt die Familie wie die Gesellschaft in einen tschechischen und einen deutschen Teil. Die Mutter stirbt, Gerta wird vom alkoholabhängigen und gewalttätigen Vater vergewaltigt und geschwängert. Wie Tausende Deutsche wird sie nach dem Krieg zur Staatsfeindin erklärt und in der Nacht vom 30. zum 31. Mai 1945 auf den später so genannten »Brünner Todesmarsch« geschickt. Gerta und ihre Tochter überleben mit anderen deutschen Frauen bei der Zwangsarbeit auf dem Land. Jahre später kehren sie in die fremd gewordene Heimatstadt zurück und leben, als Deutsche stigmatisiert, am Rande der Gesellschaft in der kommunistischen Tschechoslowakei.

Kateřina Tučková

Der 2009 im Original unter dem Titel Die Vertreibung der Gerta Schnirch erschienene Roman der jungen Autorin verdichtet offizielle Quellen und Zeitzeugenaussagen zu einer packenden literarischen Fiktion. Er wurde in Tschechien ein mehrfach ausgezeichneter Bestseller und gab der seit der Jahrtausendwende verstärkt geführten gesellschaftlichen Diskussion über die Entrechtung und Vertreibung der Deutschen neue Impulse.

Kateřina Tučková ist Mitinitiatorin des seit 2015 jährlich veranstalteten Marschs der Versöhnung im Gedenken an den Brünner Todesmarsch, ein Projekt, für das der Journalist und Aktivist Jaroslav Ostrčilík 2017 den vom Deutschen Kulturforum östliches Europa verliehenen Georg Dehio-Kulturpreis erhielt. Die lang erwartete deutsche Übersetzung des Romans von Kateřina Tučková erschien im Herbst 2018 beim Berliner KLAK-Verlag.

Eintritt

frei

Lesereihe »Tschechien erlesen: Deutsch-tschechische Familiengeschichten«

Anlässlich des Gastlandauftritts Tschechiens auf der Leipziger Buchmesse 2019 veranstaltet das Deutsche Kulturforum östliches Europa gemeinsam mit dem Tschechischen Zentrum Berlin eine Reihe von Lesungen von Autorinnen, die in ihren Werken die deutsch-tschechische Geschichte des 20. Jahrhunderts thematisieren. Die NS-Herrschaft im Protektorat Böhmen und Mähren, die Deportation und Ermordung der Juden, die Vertreibung der Deutschen und das Leben der Verbliebenen spiegelt sich in den persönlichen Schicksalen ihrer Figuren.

Weitere Lesungen und Gespräche in der Reihe:

Montag, 26. November 2018, 19:00 Uhr
Alena Mornštajnová – Hana
Tschechisches Zentrum Berlin

Dienstag, 22. Januar 2019, 19:00 Uhr
Nela Rywiková, Děti hněvu | Kinder des Zorns
Tschechisches Zentrum Berlin

Dienstag, 12. März 2019, 19:30 Uhr
Podium mit Alena Mornštajnová und Kateřina Tučková
Haus Dacheröden Erfurt

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforum östliches Europa in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum Berlin

Die von Ralf Pasch erstellte Wanderausstellung über die
deutsch-tschechisch-jüdische Familie Schalek zeigt, wie
sich Biografie und Geschichte gegenseitig durchdringen.
Alice Schalek war Frontberichterstatterin im Ersten Weltkrieg,
Robert Schalek Richter beim Prozess um den Hellseher
Hanussen, Lisa Fittko Fluchthelferin in Südfrankreich,
Malva Schalek künstlerische Zeugin des Lebens im Ghetto
Theresienstadt, Fritz Schalek Widerstandskämpfer und Aktivist
der deutschen Minderheit in der Tschechoslowakei.
Ihre Lebensläufe spiegeln Frauen- und Judenemanzipation,
Verfolgung, Emigration und politischen Widerstand.

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