01.03.2018 , 17:30
Urania Berlin
An der Urania 17, 10787 Berlin, Deutschland

Die Kaukasuspolitik des Deutschen Reiches bis 1918 und die Kaukasusdeutschen

Buchpräsentation mit Vortrag von Dr. Manfred Nawroth

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte direkte Folgen für alle in Russland lebenden Deutschen. Mit den sogenannten Liquidationsgesetzen von 1915 wurde gezielt die Existenzgrundlage der deutschen Siedler im Westen Russlands angegriffen. Ab 1916/1917 sollten diese auch auf Südkaukasien ausgedehnt werden. Interventionen des Gouverneurs von Jelisawetpol verhinderten jedoch die Umsetzung und die Oktoberrevolution 1917 leitete schließlich das Ende des russischen Zarenreiches ein. Nach dem Frieden von Brest-Litowsk zog sich Russland aus dem Weltkrieg zurück. Zunächst wurde ein südkaukasischer Rat gegründet und im April 1918 eine kurzlebige bürgerliche Transkaukasische Föderation ins Leben gerufen, bevor Georgien die Föderation verließ und am 26. Mai 1918 die Demokratische Republik Georgien mit der Hauptstadt Tbilissi ausrief.

Nur zwei Tage später folgten die Demokratischen Republiken Armenien und Aserbaidschan. Deutschland sicherte Georgien vertraglich Schutz vor den Osmanen zu, verlangte im Gegenzug Zugang zu den Manganerzen bei Tschiatura in Georgien und Transit zu den Erdölfeldern bei Baku. Auch die deutschen Kolonisten und Unternehmer sollten deutsche Hilfe in Anspruch nehmen können. Ab Oktober 1918 zog sich das deutsche Militär als Verlierer des Ersten Weltkriegs aus dem Kaukasus zurück. Durch das Vordringen der Roten Armee fanden auch die unabhängigen Republiken ein jähes Ende. Die Großunternehmen wurden nun endgültig verstaatlicht bzw. in den neu gegründeten Winzergenossenschaften zum Kollektiveigentum. Wie wirkte sich das auf das Leben der deutschen Siedler aus?

»Nach einer echt schwäbischen Kaffeeschlacht im schönen Heim der millionenschweren Weinbauernfamilie Vohrer, machten wir eine Rundfahrt durch den Ort und besuchten eine der großen Weinkellereien. […] Seit zwei Jahren konnten die kaukasischen Weinbauern ihre Ernte nicht verkaufen, weil keine Absatzmöglichkeit nach Russland vorhanden war.«
Zit. n.: Meine Mission im Kaukasus (1943) von Friedrich Freiherr Kress von Kressenstein

Dr. Manfred Nawroth, Archäologe, Oberkustos am Museum für Vor- und Frühgeschichte und Koordinator für die Russland-Projekte der Staatlichen Museen zu Berlin.

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Rahmen des Jahresthemas 2018: Zwischen Trauer und Triumph. 1918 im östlichen Europa.

In Zusammenarbeit mit der Urania Berlin

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