06.10.2017 , 18:00
Deutsch-Aserbaidschanischer Kulturverein »Kapellhaus«
28 мая д.64/15, 64 28 May St, Baku, Aserbaidschan

Entgrenzung

Ausstellungseröffnung: Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien

Ein relativ unbekanntes Kapitel russlanddeutscher Geschichte stellt die Ansiedlung Deutscher in Südkaukasien dar, die sich 2017–2019 zum 200. Mal jährt. Obwohl die Anzahl der bäuerlichen und in Städten lebenden Deutschen in Südkaukasien vergleichsweise gering war – bei ihrer Deportation 1941 waren es rund 50 000 –, haben sie in der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Region tiefe Spuren hinterlassen. Nicht nur im städtischen Bereich, insbesondere in der Architektur der Hauptstädte Tiflis/Tbilissi und Baku, sind sie bis heute kaum übersehbar; auch bei der Industrialisierung der Region spielten deutsche Firmen eine wichtige Rolle. Außerdem hatten die Siedler einen überdimensional großen Anteil am Gedeihen der Wein- und Spirituosenproduktion sowohl im Russischen Reich als auch in der frühen Sowjetunion. Dem hinterlassenen Erbe stellen sich seit 1991 die jungen Nationalstaaten Georgien und Aserbaidschan gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland. Hierzu soll unsere Ausstellung einen Beitrag leisten.

1817/1818 erreichten deutsche Siedler überwiegend aus Württemberg Südkaukasien und gründeten dort bis 1819 acht Kolonien. Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums ihrer Ankunft wurde die vom Auswärtigen Amt geförderte Ausstellung 2017 in Berlin eröffnet und wird anschließend bis 2018 an weiteren Orten in Deutschland, Aserbaidschan, Georgien und der Ukraine der Öffentlichkeit präsentiert.

Zentrale Themen der Ausstellung sind: Ursachen der Auswanderung aus Württemberg, Ankunft, zaristische Einwanderungspolitik und Aufbau von Siedlungsstrukturen im multikulturellen Umfeld Südkaukasiens, gesellschaftliches, religiöses und ökonomisches Leben in den Mutter- und zahlreichen Tochterkolonien, städtisches Leben und Unternehmertum in Tiflis und Baku, Veränderungen durch den Ersten Weltkrieg, Bürgerkrieg und Revolutionen, die Sowjetisierung und ihre Auswirkungen auf Gemeinschaft und Wirtschaft unter ländlichen und städtischen Deutschen, Verfolgung und Deportation nach Kasachstan und Sibirien und die Folgen bis in die Gegenwart.

Heute sind noch zahlreiche materielle und immaterielle Denkmäler deutsch-kaukasischer Beziehungsgeschichte in Südkaukasien erhalten, die für die Zukunft bewahrt werden sollen. Eine gemeinsame Erinnerungskultur kann im Rahmen der Östlichen Partnerschaft einen Beitrag zu einer in mehrfacher Hinsicht »entgrenzten« Verständigung zwischen den Menschen aus der Europäischen Union, besonders denen aus Deutschland, und den Bürgern Südkaukasiens leisten.

Programm

Es begrüßen

  • Michael Kindsgrab, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Aserbaidschan

Es sprechen

  • Prof. Dr. Eva-Maria Auch, Lehrstuhl Geschichte Aserbaidschans, Humboldt- Universität zu Berlin
  • Dr. Manfred Nawroth, Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin
  • Ariane Afsari, Deutsches Kulturforum östliches Europa

Ausstellung

Die Ausstellung Entgrenzung – Deutsche auf Heimatsuche zwischen Württemberg und Kaukasien wird vom 7. bis 30. Oktober 2017 im Deutsch-Aserbaidschanischen Kulturverein »Kapellhaus« gezeigt.

Zur Ausstellung ist ein Katalog in deutscher, englischer, aserbaidschanischer und georgischer Sprache erschienen.

Die Ausstellung entstand in Kooperation des Deutschen Kulturforums östliches Europa mit dem Kultur- und Wissenschaftsverein EuroKaukAsia e. V. und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin. Sie wurde finanziert durch das Auswärtige Amt.

Michael Kindsgrab, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Aserbaidschan

Lage


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