02.04.2012

Feierliche Preisverleihung zum Abschluss der Usedomer Literaturtage 2012 im Atelier Otto-Niemeyer-Holstein

Deutsches Kulturforum östliches Europa
Deutsches Kulturforum östliches Europa
Feierliche Preisverleihung zum Abschluss der Usedomer Literaturtage 2012 im Atelier Otto-Niemeyer-Holstein
Feierliche Preisverleihung zum Abschluss der Usedomer Literaturtage 2012 im Atelier Otto-Niemeyer-Holstein
Olga Tokarczuk mit dem von Ellen und Astrid Wölk gestalteten Usedomer Literaturpreis beide Fotos auf dieser Seite:
(v.l.) Olga Tokarczuk sowie die Stifter des Usedomer Literaturpreises: Thomas Hummel (Usedomer Literaturtage) und Rolf Seelige-Steinhoff (Seetel Hotelgruppe)

Die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk wurde am Sonntag, d. 1. April 2012, mit dem Usedomer Literaturpreis geehrt. Die Feierlichkeiten zur Preisverleihung fanden zum Abschluss der Usedomer Literaturtage 2012 im Atelier Otto-Niemeyer-Holstein in der malerischen Ortschaft Lüttenort-Koserow statt. Es war bereits die vierte Auflage des Literaturfestivals, das Veranstaltungen auf beiden Seiten der deutsch-polnischen Insel präsentierte. Veranstalter der Literaturtage sind das Usedomer Musikfestival, die 3 Kaiserbäder und das in Potsdam ansässige Deutsche Kulturforum östliches Europa.

In ihrer Dankesrede formulierte Olga Tokarczuk:

»Es ist mir bewusst, dass ich heute nicht hier stünde, wenn es mein leidenschaftliches, ja, obsessives Lesen nicht gäbe. Es gibt keinen Zweifel daran, dass ich aus Büchern entstanden bin, und dass ich nun, als Autorin, meinen Lesern das zurück gebe, was ich der Literatur verdanke. Auf dass wir in diesen unruhigen, ungeduldigen Zeiten, den Zeiten, in denen Bilder und der rasche Informationsaustausch triumphieren, diese Fähigkeit nicht verlieren – diese außergewöhnliche, magische Fähigkeit des Lesens und des Erlebens von Büchern.«

Die Entscheidung über die Verleihung des Preises traf die Jury, deren Mitglieder sind: Prof. Dr. Hellmuth Karasek, Journalist, Buchautor und Literaturkritiker, Dr. Andreas Kossert, Historiker und Autor, sowie Dr. Doris Lemmermeier, Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa. Die Laudatio auf die Preisträgerin hielt Marta Kijowska, die aus Krakau stammende und in München lebende Literaturkritikerin. Für die musikalische Untermalung der Festivitäten sorgte das Signum Saxophonquartett, das 2011 den Preis des Usedomer Musikfestivals erhielt.

Der Usedomer Literaturpreis wurde zum zweiten Mal verliehen. 2011 wurde damit die tschechische Schriftstellerin Radka Denemarková gewürdigt, gemeinsam mit ihrer deutschen Übersetzerin Eva Profousová.

Der Preis, der von der Seetel Hotelgruppe und den Usedomer Literaturtagen gemeinsam gestiftet wurde, ist mit 5.000 Euro dotiert und beinhaltet außerdem einen vierwöchigen Arbeitsaufenthalt auf der Insel, im luxuriösen Seehotel Ahlbecker Hof. So wird die literarische Tradition der Insel fortgeführt, im Sinne der Spuren, die Autoren wie Theodor Fontane, Maxim Gorki oder Thomas Mann hinterlassen haben.

Olga Tokarczuk erhielt den diesjährigen Usedomer Literaturpreis für ihr bisheriges literarisches Schaffen, vor allem aber für die erneute – literarische und intellektuelle – Verwurzelung der Region Niederschlesien (vor allem des Glatzer Kessels) in der europäischen Geschichtserfahrung und in der polnischen Sprache.

In ihrem Œuvre setzt sich Olga Tokarczuk mit der Vergangenheit dieses mitteleuropäischen, multikulturellen Landstriches auseinander, beschreibt seine Gegenwart und schlägt Brücken in die Zukunft. Sie betreibt es ohne nationale Abgrenzungen, mit tiefer Empathie und humanistischer Botschaft. Der Glatzer Kessel ist für sie das Land existentieller und historischer Erfahrungen von Individuen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder nationaler Zugehörigkeit.

Die Geschichte, die sich auch aus den regionalen Mythen und Sagen zusammen setzt, wirkt in den Büchern der diesjährigen Preisträgerin lokal, auf der Ebene des Privaten, Alltäglichen einer kleinen Gemeinschaft. Auf diese Weise weist Olga Tokarczuk auf das Erhalten der richtigen Proportionen hin, in Bezug auf die in unserem Denken dominierende einseitige Wahrnehmung der Geschichte als des Zeitraumes großer politischer Konflikte.

Die 1962 geborene Autorin zählt zu den bekanntesten und bedeutendsten Schriftstellerinnen Polens. Sie findet für mutige, bisweilen radikale Inhalte eine klare, ruhige Sprache voller Poesie.

Links

Usedomer Literaturtage 2012
Wortreiche Landschaften zwischen Ostsee und Karpaten

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