Erinnern und Entdecken. 10 Veranstaltungen - 10 Jahrestage

Erinnern und Entdecken. 10 Veranstaltungen - 10 Jahrestage
Unter dem Motto »Erinnern und Entdecken« begeht das Deutsche Kulturforum östliches Europa im Jahr 2010 sein zehnjähriges Bestehen mit einem Veranstaltungsreigen zu zehn ganz unterschiedlichen Jahres- und Gedenktagen.

8. Februar 2010, 15:55 - 31. Dezember 2010, 00:00 2010 – Zehn Jahre Deutsches Kulturforum östliches Europa | Zehn Jahrestage | Zehn Veranstaltungen

Das Kulturforum, im Jahr 2000 gegründet, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Geschichte und das gemeinsame Kulturerbe der Regionen im östlichen Europa, in denen früher Deutsche gelebt haben bzw. heute noch leben, einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln. Erinnern ist der zentrale Begriff für die Arbeit des Kulturforums. Ein Erinnern, bei dem es viel zu entdecken gibt: wechselvolle Lebensläufe, reiche Kulturlandschaften, faszinierende Verbindungslinien und ein europäisches Miteinander lange vor der Europäischen Union.

Die zehn Veranstaltungen zu Jahres- und Gedenktagen, die für die betreffenden Regionen im östlichen Europa eine herausgehobene Bedeutung haben, zeigen anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Kulturforums das ganze Spektrum seines Arbeitsgebiets. Die Veranstaltungsreihe ist kennzeichnend für die Arbeitsweise des Kulturforums – mit ihrer Vielfalt und der unterschiedlichen Themenstellung, mit Veranstaltungsorten in Deutschland und im östlichen Ausland, mit der Bandbreite von einer kleineren Veranstaltung bis zu einem großen Event, mit verschiedenen Kunstformen und historischen Epochen.

Zu den Veranstaltungen, die sowohl hier auf der Website, als auch in einem Programmheft zum Ausdrucken vorgestellt werden, laden wir sie ebenso herzlich ein wie zu den übrigen Angeboten unseres Jahresprogramms 2010.

VERANSTALTUNGEN

Der geniale Sonderling Konzert
200. Todestag von Anton Ferdinand Titz

Das Ende des »Völkerkerkers« Podiumsdiskussion
90 Jahre seit den Pariser Vorortverträgen

Frycek – Frédéric – Fryderyk Konzert
200. Geburtstag von Frédéric Chopin

Königin Luise in Ostpreußen Vorträge
200. Todestag von Königin Luise von Preußen

»Ich bin hinternational« Vortrag/Buchpräsentation
40. Todestag von Johannes Urzidil

Wie übersetzt man Heimat? Podiumsdiskussion
60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen

Bilder wachsen aus Rauch und Traum und Flamme Szenische Lesung
80. Geburtstag von Horst Bienek

Schlachtfeld der Nationalmythen? Kompaktveranstaltung
600. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg/Grunwald

Die Schätze der Vergangenheit der Zukunft überliefern Preisverleihung
160. Geburtstag von Georg Dehio

Brückenschläge Ausstellung
350. Geburtstag von Daniel Ernst Jablonski

VERANSTALTUNGSBESCHREIBUNGEN

Der geniale Sonderling Konzert
200. Todestag von Anton Ferdinand Titz

Als der Violinvirtuose und Komponist Anton Ferdinand Titz im Dezember 1810 in St. Petersburg starb, war er unter den Musikkennern in ganz Europa eine bekannte Größe. Wenig später ließen die neuen Strömungen der musikalischen Entwicklung, die romantisch und national waren, diesen Vertreter der übernationalen Musikkultur um 1800 vergessen. Erst in unseren Tagen erinnert man sich wieder des genialen Sonderlings, der als Deutscher in St. Petersburg Musikgeschichte schrieb. Er führte als Interpret wie als Komponist die zentrale Gattung des Streichquartetts, die er im Kontakt mit Mozart und Haydn in Wien gepflegt hatte, in seiner Wahlheimat Russland ein.

Das Kulturforum präsentiert zum 200. Todestag des Komponisten Konzerte, in denen das Hoffmeister-Quartett auf Instrumenten und in der Spielweise der Epoche die Quartettkompositionen des St. Petersburger Meisters zum Klingen bringt.

Termine
8. Februar 2010 • 19.00 Uhr • Potsdam, Brandenburgsaal der Staatskanzlei
23. April 2010 • St. Petersburg, Scheremetjew-Palais | Museum für Musik
11. Mai 2010 • Den Haag, Haus Schuylenburgh – Residenz des Deutschen Botschaftersmehr
11. Oktober 2010 • Kiew, Nationalphilharmonie
14. Oktober 2010 • Odessa, Literaturmuseum
15. Oktober 2010 • Odessa, Evangelisch-Lutherische Kirche St. Paul mehr

Das Ende des »Völkerkerkers« Podiumsdiskussion
90 Jahre seit den Pariser Vorortverträgen

Das Reich der Habsburger, die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie, wird heute oft als multikultureller Vielvölkerstaat idealisiert. Die meisten der zahlreichen ethnischen Gruppen und Völker dieses Großreiches aber empfanden die Monarchie in ihrer Spätzeit als Einengung und als Unfreiheit – als »Völkerkerker« eben. 90 Jahre nach dem Abschluss der Pariser Vorortverträge, die die Auflösung des Imperiums besiegelten, und 150 Jahre nach den gescheiterten Versuchen einer inneren Reorganisation der Monarchie wollen wir danach fragen, ob die Zwischenkriegsordnung die Widersprüche der Kaiserzeit tatsächlich aufhob und ob wir uns mit der Idee eines vereinigten, grenzenlosen Europa nicht doch wieder dem Modell Habsburg annähern.

Termin
18. Februar 2010 • 18.30 Uhr • Berlin, Botschaft der Tschechischen Republik

Frycek – Frédéric – Fryderyk Konzert

200. Geburtstag von Frédéric Chopin

Der 200. Geburtstag des großen polnischen Komponisten gibt dem Kulturforum Anlass zu einem besonderen Konzert, das die Musik des jungen Klaviergenies in den Kontext der Warschauer Kammermusik seiner Kindheit stellt.

Chopins späterer Lehrer, der Schlesier Joseph Elsner (1769–1854), spielte für die Musikkultur Warschaus und ganz Polens eine außerordentliche Rolle. Elsner, der zahlreiche Opern, Kirchenmusik und Kammermusik komponierte, legte in Warschau die Grundlage für die Ausbildung der polnischen Komponisten, Sänger und Instrumentalisten. Bereits im Jahre 1804 war er an der Gründung der Warschauer Musikgesellschaft beteiligt, die zum Zentrum der bürgerlichen Musikpflege in der Stadt wurde. Einer seiner Mitstreiter war der später berühmte deutsche Romantiker E. T. A. Hoffmann, der zu jener Zeit Regierungsrat im (preußischen) Warschau war.

Das Trio Margaux, ein Ensemble, das sich auf die Interpretation der Musik der Klassik und der frühen Romantik auf Originalinstrumenten spezialisiert hat, kontrastiert in seinem Konzertprogramm Frédéric Chopins frühes Klaviertrio g-Moll (1829) mit Werken Joseph Elsners und E. T. A. Hoffmanns.

Termine
1.März 2010 • 19 Uhr • Berlin, Rotes Rathaus
(Schirmherr: Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister)
16. Mai 2010 • Warschau, Königsschloss/Zamek Królewski
4. September 2010 • Berlin, Friedenauer Kammerkonzerte
11. September 2010 • Oppeln, Philharmonie
14. September 2010 • Görlitz, Synagoge
15. September 2010 • Duszniki Zdrój (Bad Reinerz), Dworek Chopina

Königin Luise in Ostpreußen Vorträge

200. Todestag von Königin Luise von Preußen

Das Leben der preußischen Königin Luise (*1776), deren Todestag sich 2010 zum 200. Mal jährt, war eng verbunden mit den dramatischen Ereignissen im Kampf Preußens gegen Napoleon. Die Niederlage der preußischen Armee, die Flucht nach Ostpreußen – zunächst nach Königsberg, später nach Memel – und der Bittgang zu Napoleon sind einschneidende Situationen im Leben der Königin, die wesentlich zur Mythenbildung beigetragen haben.

Die Vorträge setzen sich mit den Aufenthalten der Königin in Ostpreußen auseinander, vor allem mit der Flucht und der erzwungenen Verlagerung des Hofes in diesen östlichsten Teil des preußischen Staates. Es geht aber auch um Elemente des Luisen-Kults: Luise als ideale Königin und die mit den Kriegen verbundenen »Opfer« und »Leiden«.

29. April 2010 • 20.00 Uhr • Filmmuseum Potsdam
Die Königin in Ostpreußen. Erinnerungen an Luise im langen 19. Jahrhundert
Vortrag von Maria Schultz, M. A., Berlin

Termine
11. April 2010 • 11.00 Uhr • Filmmuseum Potsdam
»Königin der Herzen« und Märtyrerin – Königin Luise im Film
Vortrag von Wolfgang Koller, M. A., Berlin mehr

»Ich bin hinternational« Vortrag/Buchpräsentation
40. Todestag von Johannes Urzidil

Johannes Urzidil (1896–1970) gehört mit Rainer Maria Rilke, Franz Kafka, Max Brod, Egon Erwin Kisch und Franz Werfel zu den bedeutendsten und interessantesten in Prag geborenen deutschsprachigen Schriftstellern des letzten Jahrhunderts. Der Brückenschlag zwischen scheinbaren und tatsächlichen Gegensätzen wurde für den Sohn eines deutschnationalen Vaters und einer tschechisch-jüdischen Mutter zu einem Leitmotiv seines Lebens und Schreibens.

Zu Urzidils 40. Todestag erinnert das Deutsche Kulturforum östliches Europa mit zwei multimedialen Vorträgen und einer Buchpräsentation an sein Leben und Werk. Klaus Johann und Vera Schneider – die Herausgeber eines im Herbst 2010 im Verlag des Kulturforums erscheinenden Johannes-Urzidil-Lesebuchs, das auch seltene Tondokumente enthalten wird – laden zur Wiederentdeckung eines spannenden Autors der klassischen Moderne auf seinen Wegen zwischen Böhmen und den USA ein. Kennenzulernen ist ein zu Unrecht weitgehend vergessener Dichter, seine großartigen erzählenden Werke zwischen Tragik und Humor, seine brillanten Artikel, Essays und Monographien zu Kultur, Geschichte und Politik sowie seine Gedichte zwischen Expressionismus und klassizistischem Altersstil.

Termine
15. April 2010 • München, Adalbert Stifter Verein
20. Juni 2010 • Nauendorf bei Dresden, Robert-Sterl-Haus
18. November 2010 • Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren

Wie übersetzt man Heimat? Podiumsdiskussion
60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen

Die »Charta der deutschen Heimatvertriebenen«, die vor 60 Jahren von Vertretern zahlreicher Vertriebenenorganisationen unterzeichnet wurde, wird meist als ein Dokument der Aussöhnung und der Völkerverständigung interpretiert. Die Kritik hingegen sieht manche historischen Hintergründe bewusst ausgespart. Die Forderungen der Charta gegenüber Deutschland sind längst erfüllt, Themen wie das »Recht auf Heimat« aber sind nach wie vor von Aktualität, wenn auch heute in ganz anderen Zusammenhängen.

Haben die Vertriebenen mit diesem Dokument tatsächlich zur Aussöhnung mit den Ländern im östlichen Europa beigetragen? Kann ihr Schritt zum Verzicht auf Rache und Vergeltung ein Vorbild für andere Regionen des Kontinents sein? Welche Lehren haben wir vor diesem Hintergrund in Deutschland aus dem Umgang mit dem Thema Vertreibungen gezogen? Und schließlich: Wie können wir »Heimat« übersetzen, wenn wir unsere Erfahrungen weitergeben wollen?

Termin
Donnerstag, 6. Mai 2010 • Potsdam, Französische Kirche

Bilder wachsen aus Rauch und Traum und Flamme Szenische Lesung
80. Geburtstag von Horst Bienek

Zum 80. Geburtstag und 20. Todestag von Horst Bienek erinnert das Kulturforum an den Dichter der berühmt gewordenen Gleiwitzer Romane (die erste polka, septemberlicht, zeit ohne Glocken). Bienek ist mit ihnen fast zu einem Synonym für die »auf immer verlorene Provinz« Oberschlesien geworden, in seiner Person wird die fruchtbare Mischung deutlich, die an den deutschen Sprachgrenzen und in multiethnischen Gesellschaftsstrukturen entstehen kann.

Ein exemplarisches Leben und Werk entfaltet sich, wenn Oskar Ansull mit Theo Jörgensmann (Klarinette) eine Reise in Bieneks »dunkles Land«, das ihn geboren hat und in jene Zeit, die ihn aus seinem Geburtsland vertrieb, unternehmen. In einer dichten Textmontage werden Bieneks sinnliche Prosa und lyrischen Texte musikalisch durchflochten.

Termine
Freitag, 7. Mai 2010 • Hannover, Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek
Dienstag, 11. Mai 2010 • Gleiwitz/Gliwice, Haus der deutschpolnischen Zusammenarbeit
Donnerstag, 24. Juni 2010 • München, Haus des Deutschen Ostens

Schlachtfeld der Nationalmythen? Kompaktveranstaltung
600. Jahrestag der Schlacht bei Tannenberg/Grunwald

Die Schlacht bei Tannenberg/Grunwald im Jahr 1410 gilt als eine der größten und letzten Schlachten des Mittelalters und gehört seit dem 19. Jahrhundert zum Nationalmythos Deutschlands, Polens und Litauens. Bis heute spricht sie die populistischen Bedürfnisse eines großen Publikums an und prägt das Geschichtsbild der Nachbarn. Die deutsche Perspektive ist zusätzlich durch die zweite große Schlacht bei Tannenberg 1914 dominiert, die den Verlauf des Ersten Weltkrieges wesentlich beeinflusste und zu einem nationalistischen Mythos in Deutschland wurde, der mit dem untergegangenen Dritten Reich starb.

Diese Nationalmythen wurden – und werden immer noch – durch literarische und künstlerische Werke untermauert, die ihre Thematik häufig unhinterfragt aus der martyrologischen Perspektive abhandeln. Bei der Kompaktveranstaltung, die zunächst in Allenstein, dann in Potsdam stattfindet, werden die Schlacht selbst und diese Mythen präsentiert sowie hinterfragt. Untersucht wird die Rezeption des Mythos damals und heute, seine identitätsstiftende Wirkung sowie die Darstellung der Schlacht in der Literatur und in der Kunst.

Termine
Freitag–Sonntag, 18.–20. Juni 2010 • Allenstein/Olsztyn
Freitag–Sonnabend, 2.–3. Juli 2010 • Potsdam

Die Schätze der Vergangenheit der Zukunft überliefern Preisverleihung
160. Geburtstag von Georg Dehio

Der 1850 in Reval (heute Tallinn, Estland) geborene Kunsthistoriker Georg Dehio, Begründer des bekannten Handbuchs der deutschen Kunstdenkmäler, legte mit seiner Arbeit wichtige Grundsteine für den heutigen Denkmalschutz. Karl Schlögel hat in seiner Dankesrede anlässlich der Verleihung des Georg Dehio-Buchpreises 2004 treffend formuliert:

»Georg Dehio ist vieles: die bürgerliche Existenz, der Autor eines kohärenten und kompakten Werkes [...], ein Vielreisender und gewiss auch eine ›komplizierte Natur‹, wie er von sich selbst sagte. Aber all dies zusammengenommen ist nicht das, was mich an Dehio fasziniert. Es ist etwas anderes. Ich möchte es bezeichnen als Weltläufigkeit, die den Deutschen der Vorkriegszeit einmal eigen war und die im 20. Jahrhundert so gründlich ruiniert worden ist.«

Das Kulturforum lobt im Jahre 2010 zum vierten Mal den georg dehio-buchpreis aus. Mit dem Preis, der vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dotiert ist und – im jährlichen Wechsel mit dem Georg Dehio-Kulturpreis – jeweils im Herbst feierlich verliehen wird, werden Autoren ausgezeichnet, die Themen der gemeinsamen Kultur und Geschichte der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn in ihrem literarischen, wissenschaftlichen oder publizistischen Werk aufgreifen, auf hohem Niveau reflektieren und breiten Kreisen anschaulich vermitteln.

Preisträger 2010
Martin Pollack | Hauptpreis
Włodzimierz Nowak & Joanna Manc | Ehrenpreis
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Termin
Donnerstag, 23. September 2010 • Berlin

Brückenschläge Ausstellung

350. Geburtstag von Daniel Ernst Jablonski

Daniel Ernst Jablonski (1660–1741), dessen Geburtstag sich zum 350. Mal jährt, hat als protestantischer Theologe und als Gelehrter wie wenige andere Zeitgenossen ein fast den ganzen Kontinent umspannendes Netz an intellektuellen Kontakten unterhalten, wissenschaftlichen Austausch gepflegt und Anregungen fruchtbar werden lassen. Nicht zuletzt aufgrund seiner Herkunft aus dem Umfeld der Böhmischen Brüder, deren Bischof Jablonski genauso wie sein Großvater Johann Amos Comenius wurde, lag einer seiner Schwerpunkte im östlichen Mitteleuropa. Als Hofprediger in Berlin, als führender Kirchenmann, als Mitbegründer und Präsident der Kurfürstlich-Brandenburgischen Sozietät der Wissenschaften hat er weit über die Grenzen gewirkt und bleibende Spuren hinterlassen.

Termin
26. November 2010 bis 24. Februar 2011 • Berliner Dom

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