Deutsch-tschechisch-polnische Geschichte(n) im Wandel

Deutsch-tschechisch-polnische Geschichte(n) im Wandel
Deutsch-tschechisch-polnische Geschichte(n) im Wandel – das Programm setzt sich in 13 Filmen insbesondere mit der Aufarbeitung von Vertreibungserfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander.

 

Das Programm »Spuren suchen: deutsch-tschechisch-polnische Geschichte(n) im Wandel« setzt sich in 13 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen insbesondere mit der gemeinsamen Aufarbeitung von Vertreibungserfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander.

»Heute begibt sich zunehmend eine junge Generation tschechischer und polnischer Dokumen-tarfilmer auf die sehr persönliche Suche nach Erlebtem und Verschwiegenem im Umkreis ihrer Familien. Oft spielen dabei grenzüberschreitende Identitäten eine Rolle«, gibt der Kurator und Journalist Jarosław Godlewski einen Vorgeschmack auf die Filmreihe. Es geht aber nicht nur um den historischen Perspektivwechsel: »Aktuell erleben wir wieder, wie Fluchterfahrungen die Identitäten von Menschen verändern – die der Geflüchteten genauso wie die der Aufnah-megesellschaft. Auch darüber möchten wir uns austauschen.«

Grenzüberschreitender Austausch steht deshalb nicht nur bei einer tri-nationalen Schülerbegegnung im Zentrum. Vier Filme werden während des Festivals auch in der polnischen Nachbarstadt Grünberg/Zielona Góra zu sehen sein.

Das Programm wird gefördert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammen-arbeit, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und dem Deutschen Kulturforum Östliches Europa. In Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung finden zudem begleitende Medienseminare an Schulen in der Region statt.

Programm

Alois Nebel
Regie: Tomáš Luňák, ČR/DE/SI 2011, 84 MIN
Der schwarz-weiße Animationsfilm führt ins Altvatergebirge des Jahres 1989: Alois Nebel ist Fahrdienstleiter auf einem kleinen Bahnhof. Als Kind sah er, wie von hier die Züge mit den vertriebenen Deutschen fuhren: Eine von ihnen war die junge Dorothe. Nie wieder sprach man von ihr und ihrem Schicksal, dann aber taucht im Ort ein geheimnisvoller Stummer auf.

Sa, 12.11. | 21:00 Uhr | Obenkino
So, 13.11. | 10:00 Uhr | Weltspiegel

Felvidék – Horná zem | Felvidék. Zwischen den Stühlen
Regie: Vladislava Plančíková-Sarkány, SK/ČR 2014, 76 MIN
In ihrem frischen Dokumentarfilmdebüt erforscht die junge Regisseurin die Geschichte ihrer Familie. Sie muss entdecken, dass ihre Vorfahren zum Spielball slowakisch-ungarischer Interessenkonflikte und einer rigiden Umsiedlungspolitik wurden. Neben vielen Zeitzeugen und Archivbildern lässt sie auch einfallsreiche Animationen sprechen.

Do, 10.11. | 11:00 Uhr | Kammerbühne

Konec srpna v hotelu Ozon | Ende August im Hotel Ozon
Regie: Jan Schmidt, ČSSR 1966, 78 MIN
Die Welt nach der großen Katastrophe: Eine Gruppe junger Frauen, angeführt von einer Alten, zieht durch eine völlig zerstörte Landschaft. Schon lange sind sie auf der Suche nach Männern, um der Menschheit das Überleben zu sichern. Sparsam inszenierte Postapokalypse, deren Drehort eine weitere bittere Geschichte erzählt.

Do, 10.11. | 21:00 Uhr | Obenkino

Kytlice, Zimmer frei
Regie: Rozálie Kohoutová, ČR 2012, 64 MIN
Die Dokumentarfilmerin Rozálie Kohoutová kehrt in das Dorf zurück, in dem sie als Kind die Sommerferien verbrachte. Hier auf dem Land hatte der Großvater ein Haus, in dem die ehemaligen deutschen Bewohner angeblich einen Schatz hinterließen. Als Erwachsene begibt sie sich hier auf eine ganz private, angenehm unaufgeregte Spurensuche.

Mi, 9.11. | 15:00 Uhr | Glad-House-Saal

Mein Kroj
Regie: Martin Dušek, ČR 2011, 26 MIN
In einer bizarren Tracht reist Dokumentarfilmer Martin Dušek zum Sudetendeutschen Tag, zu dem sein Großvater immer eingeladen wurde. Die Veranstalter sehen ihn jedoch nicht als einen der ihren, sondern als irren Eindringling. Eine blondgelockte Schwejkiade aus der Gegenwart.

Mi, 9.11. | 17:00 Uhr | Glad-House
Do, 10.11. | 14:30 Uhr | Glad-House
Do, 10.11. |18:30 Uhr | Stadtbibliothek Grünberg/Zielona Gora

Mój dum | Mein Haus
Regie: Magdalena Szymków, PL 2012, 28 MIN
Zwei Frauen, ein Haus. Parallele Schicksale einer Polin und einer Deutschen, deren intime Erzählungen von Krieg und Zwangsumsiedlungen kunstvoll mit Projektionen aus Archiv- und Landschaftsaufnahmen ineinander verwoben werden.

Mi, 9.11. | 15:00 Uhr | Glad-House
Do, 10.11. | 16:00 Uhr | Stadtbibliothek Zielona Gora

Morgenrot
Michał Korchowiec, PL 2016, 69 MIN
Ein junger Filmemacher fährt in die Masuren, im Nordosten Polens. Im Gepäck hat er seine Mutter und viele schmerzlichen Geheimnisse ihrer Vergangenheit. In Gesprächen und Begegnungen mit Verwandten auf Feldern und Wäldern ergründet er seine polnischen, aber auch deutschen Wurzeln.

Mi, 9.11. | 17:00 Uhr | Glad-House
Do, 10.11. | 16:00 Uhr | Stadtbibliothek Zielona Gora

Nikt nie woła | Niemand ruft
Regie Kazimierz Kutz, PL 1960, 86 MIN
Eine Stadt in Niederschlesien kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Im entvölkerten deutschen Habelschwerdt, jetzt Zielno, kommen überfüllte Züge mit polnischen Umsiedlern an. Mit ihnen der junge Bożek. Er will hier endlich wieder Frieden finden und mit etwas Glück könnte ihm die adrette Lucyna dabei helfen.

Fr 11.11. | 21:00 Uhr | Glad-House

Pflaumen
Regie: Mark Ther, ČR 2011, 16 MIN
Herbst 1946 im Sudetengebiet. Ludwig läuft wie um sein Leben. Der Junge soll seine Heimat verlassen, soll mit seiner Mutter nach Deutschland gehen. Er will aber nicht weg, er will in der vertrauten Landschaft bleiben, die er so gern hat. Eine eindrückliche Nahaufnahme zwischen Videokunst und Spielfilm.

Mi, 9.11. | 19:30 Uhr | Glad-House

Reversing oblivion
Regie: Ann Michel/Philip Wilde, US 2016, 49 MIN
Die Amerikanerin Ann Michel begibt sich nach einem aufrüttelnden Radiofeature auf die Suche nach ihren deutsch-jüdischen Wurzeln nach Dobrodzień. Ein Ort in Oberschlesien, wo zwar heute die Ortsnamen in Polnisch und Deutsch zu lesen sind, sich jedoch kaum jemand an die jüdischen Mitbürger erinnert.

Sa, 12.11. | 18:00 Uhr | Glad-House

Róża | Rose
Regie: Wojciech Smarzowski, PL 2011, 94 MIN
Sommer 1945. Der polnische Widerstandskämpfer Tadeusz zieht als Siedler in das kriegsverwüstete Ostpreußen. Hier trifft er auf die Masurin Rose, die trotz marodierender Banden versucht zu überleben. Zögerlich gehen beide ein Bündnis ein, das ein wenig Hoffnung verspricht. Ein schonungsloses Drama der gewaltsamen Gemengelage zwischen Polen, Deutschen und Russen im Nachkriegspolen.

Mi, 9.11. | 19:30 Uhr | Glad-House

Rückkehr in die windige Stadt
Regie: Kristina Forbat, DE 2013, 52 MIN
Als Journalistin und junge Stadtschreiberin kehrt Kristina Forbat zurück in ihre ostslowakische Geburtsstadt Košice. Anhand von Gesprächen mit den Einwohnern und neuen Einblicken in die eigene Familiengeschichte begibt sie sich auf eine ganz persönliche Spurensuche durch die Grenzstadt im Vierländereck zwischen Slowakei, Polen, Ungarn und der Ukraine.

Sa, 12.11. | 18:00 Uhr | Glad-House

Wir sind Juden aus Breslau
Regie: Karin Kaper/Dirk Szuszies, DE 2016, 108 MIN
Sie waren jung, fühlten sich in Breslau beheimatet – bis die Nazis an die Macht kamen und damit Tod, Verfolgung, später Exil. Fünfzehn Überlebende veranschaulichen ein facettenreiches Generationenporträt. Indem einige von ihnen in Wrocław einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen, schlagen sie eine Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart der europäischen Kulturhauptstadt 2016.

Sa, 12.11. | 15:30 Uhr | Glad-House

Weitere Informationen und eine Übersicht aller Filmtermine:
www.filmfestivalcottbus.de

Das Programm der Sektion: Special »Spuren suchen« des FilmFestival Cottbus 2016 wird gefördert vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds

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