29.03.2017 , 18:00
Urania »Wilhelm Foerster«
Gutenbergstraße 71, 14467 Potsdam, Deutschland

Weiße Nächte. Erich Mendelsohn und der Bau des Einsteinturms in Potsdam

Ein Vortrag von Prof. Dr. Regina Stephan, Professorin für Architekturgeschichte an der Hochschule Mainz

Vor genau 100 Jahren, im April 1917, wurde der 30-jährige Architekt und Unteroffizier Erich Mendelsohn an die Ostfront verlegt. Nach der Absetzung des letzten Zaren Nikolaus II. in der Februarrevolution 1917 war der Krieg unter der provisorischen Übergangsregierung zur Nebensache geworden. Die Situation an der russisch-deutschen Front war so ruhig und abgeschieden, dass Mendelsohn die Zeit fand, die Stellung nach seinen Plänen bauen zu lassen, ein Fotolabor einzurichten und rings um den Unterstand Gemüse- und Blumenbeete anzulegen. Vor allem aber fand er viel Zeit zum Zeichnen.

Für Mendelsohns Arbeit als Architekt waren die Monate an der Ostfront 1917 ein Glücksfall. Dort sind die Nächte so hell, dass man keine künstliche Beleuchtung benötigt. Sein Scheinwerfer-Bataillon hatte einfach nichts zu tun. Mendelsohn konnte somit die Nachtwachen während der Weißen Nächte bestens dazu nutzen, seine architektonischen Visionen zu Papier zu bringen.

Entscheidend wurden diese Wochen für den Fortgang des Projekts eines astrophysikalischen Laboratoriums zum Nachweis der allgemeinen Relativitätstheorie, das sein guter Bekannter Erwin Finlay Freundlich seit 1915 verfolgte. Mit ihm korrespondierte er intensiv. Mendelsohn entwickelte 1917 die spektakuläre Form, die den zwischen 1920 und 1922 auf dem Potsdamer Telegrafenberg realisierten Einsteinturm über seine wissenschaftlichen Ergebnisse hinaus weltberühmt machten und Mendelsohn an die Spitze der architektonischen Avantgarde katapultierten.

In dem mit zahlreichen Skizzen und privaten Fotografien Mendelsohns illustrierten Vortrag werden seine Skizzen und baulichen Überlegungen zum Einsteinturm ebenso thematisiert, wie die in seinem umfangreichen Briefwechsel mit seiner Frau Luise, mit Finlay-Freundlich und anderen dokumentierten Überlegungen zur neuen Architektur für die neue Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. So entsteht ein lebendiges Bild der Situation an der Ostfront, die so anders war als die heftig und außerordentlich verlustreich umkämpfte Westfront.

Die Referentin

Regina Stephan ist Professorin für Architekturgeschichte, Vizepräsidentin und Prodekanin an der Hochschule Mainz.

Eintritt

6,– Euro
5,– Euro

Anmeldung

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Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit der Urania »Wilhelm Förster« Potsdam

Lage


2017-03-29 18:00:00
2017-03-29 20:00:00