13.10.2016 , 20:00
Donauschwäbisches Zentralmuseum
Schillerstraße 1, 89077 Ulm, Deutschland

Unter Anderen – Donauschwaben im südöstlichen Europa

Ausstellungseröffnung: Fotografische Momentaufnahmen von Dragoljub Zamurović

Plakat zur Ausstellung

Der serbische Fotograf Dragoljub Zamurović begab sich 2015 und 2016 mit seiner Kamera auf Spurensuche. Wie leben die heute in Rumänien, Ungarn, Kroatien und Serbien verbliebene Donauschwaben? Auf seinen Reisen begegnete er ganz unterschiedlichen Menschen, die er fotografisch porträtierte. So entstand eine einzigartige Bilddokumentation, die sechzig donauschwäbische Biografien zwischen Budapest und Belgrad vereint. Zamurovićs Fotografien und die Interviews, die das Donauschwäbische Zentralmuseum mit den porträtierten Donauschwaben führte, geben Einblicke in ihren Alltag »unter Anderen«.

Dragoljub Zamurović publizierte in internationalen Magazinen wie Time, Newsweek, The New York Times Magazine, SternParis-Match oder Geo. »Als ich vor einigen Jahren an meinem Buch über die serbische Region Vojvodina arbeitete, besuchte ich den Ort Knićanin. Zum ersten Mal in meinem Leben erfuhr ich von den Donauschwaben. Das hat mich derart berührt, dass die Idee zu einer Fotostory über die deutsche Minderheit entstand.«

Boris Mašić

Boris Mašić
Apatin, Serbien

»Schon als ich klein war, mit sieben Jahren, habe ich alte Sachen gesammelt, das hat mich alles interessiert.« Diese Leidenschaft prägt bis heute das Leben von Boris Mašić, denn seit vielen Jahren sammelt er Kircheninventar. »1991, im Krieg zwischen Serbien und Kroatien, wurden auch die Kirchen in den donauschwäbischen Dörfern zerstört, da ist mir bewusst geworden, dass das alles verloren geht«. In der Herz–Jesu–Kirche in Apatin hat er ein Kirchenmuseum eingerichtet, in dem er Zeugnisse donauschwäbischer Kultur aus der ganzen Region aufbewahrt.

Einen Steinwurf von der Donau entfernt liegt das Wohnhaus von Boris Mašić, das seine Vorfahren mütterlicherseits im 18. Jahrhundert erbauten. Sie hießen Probst und arbeiteten über Generationen als Schiffbauer, die man hier in Apatin wie auch in Ulm Schoppermeister nannte. Boris Mašićs Sammelleidenschaft setzt sich im Privaten fort: Schopperwerkzeuge, Alltagsgerät, Kleidung, Dokumente und Fotografien erzählen seine Familiengeschichte, und auch wenn ihm manchmal alles über den Kopf wächst, findet er doch für jedes Stück ein Plätzchen.

Andreea Kremm

Andreea Kremm
Temeswar/Timişoara, Rumänien

»Auf dem Foto bin ich als Pilotin am Steuerknüppel meiner Cessna 172 zu sehen. Es ist ein einmotoriges Flugzeug mit vier Sitzplätzen. Das kleine Flugfeld ›Cioca‹ neben Temeswar ist mit seiner Graspiste bestens geeignet für Privat-, Geschäfts- und Vergnügungsflüge, für die es eine wachsende Nachfrage gibt.«

Andreea Kremm ist in ihrem ersten Beruf Programmiererin. Innerhalb von zehn Jahren baute sie ein erfolgreiches Unternehmen auf, das über 600 Angestellte in sechs Ländern beschäftigt. Doch sie suchte eine neue Herausforderung, die sie in der Flugausbildung fand. »Sowohl als Pilotin, als auch als Managerin hat man viel mit Menschen zu tun, daher habe ich zusätzlich noch Psychologie studiert. Deutsch ist meine Muttersprache, meine Gedanken und Träume sind alle in deutscher Sprache. Ich bin in Rumänien aufgewachsen, konnte hier die deutsche Schule besuchen. Zweisprachig aufzuwachsen hat viele Vorteile. Die deutsche Sprache bot mir auch beruflich große Chancen, da ich mitten im 2000–er dot.com-Boom Kunden aus Deutschland für meine Firma in Rumänien gewinnen konnte. Ich bin als Kleinkind bei meinen Großeltern aufgewachsen, die mir als Banater Schwäbin nicht nur schwäbisch Sprechen, sondern auch schwäbisch Denken beigebracht haben, mit allen dazugehörigen preußischen und viktorianischen Tugenden.«

Begleitveranstaltung

Donnerstag, 27. Oktober 2016
19:00 Uhr
Unter Anderen: Die Deutschen in Rumänien
Christian Glass im Gespräch mit Werner Kremm

Eine Veranstaltung des Donauschwäbischen Zentralmuseums. Die Ausstellung Unter Anderen – Donauschwaben im südöstlichen Europa wird vom 14. Oktober 2016 bis zum 17. April 2017 in Ulm gezeigt. | Link zur Ausstellungsseite

Lage


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