19.09.2016 , 19:00
Rumänisches Kulturinstitut Berlin
Reinhardtstraße 14, 10117 Berlin, Deutschland

Zwischen Wien und Konstantinopel

Buchpräsentation: Siebenbürgen – die Schaukelpolitik eines Fürstentums gegenüber den Großmächten. Mit Präsentation des Archivführers Kronstadt/Braşov

Der siebenbürgische Regent Johann II. Sigismund wirft sich Sultan Süleyman II. (dem Prächtigen) zu Füßen. Osmanische Miniatur 1566

Siebenbürgen – eine zentrale Landschaft im heutigen Rumänien. Mit bewegter Vergangenheit. Nach Thrakern, Dakern und Römern fanden sich hier Goten, Gepiden, Hunnen, Awaren, Slawen, Vlachen, Rumänen, Magyaren, Szekler, Turkvölker und Deutsche ein. Und oft wurde gestritten um dieses Land zwischen den Kulturen und Machtblöcken, da sich selten eine Herrschaft auf Dauer durchsetzen konnte. So auch in der Frühen Neuzeit, in der Siebenbürgen als Fürstentum zwar offiziell zum Osmanischen Reich gehörte, aber selbstständig war und zugleich zeitweilig und immer wieder unter der Oberhoheit der Habsburgermonarchie stand – eine kaum durchschaubare Zwischenstellung, die in einer völkerrechtlichen Studie für die Zeit 1541–1699 von Gerald Volkmer eingehend untersucht und dargestellt wurde.

Warum uns das heute betrifft? Weil wir es hier mit einem völkerrechtlich zeitgleich zu Ost und West gehörenden Schnittpunkt der Kulturen par excellence zu tun haben. Und weil die Deutschen des Landes, die es nach wie vor gibt, zu jener Zeit ein staatstragender Stand waren – vielleicht die Zeit ihrer größten Unabhängigkeit, in der sie das Handwerk der Politik gründlich erlernen konnten.

Fast zeitgleich erschien in der gleichen Schriftenreihe der »Archivführer zur Geschichte der Deutschen in Kronstadt und dem Burzenland« für eine der reichhaltigsten siebenbürgischen Archivlandschaften überhaupt, so dass es sich anbietet, mit einigen spannenden Kostproben den historischen Appetit anzuregen. Seien Sie herzlich eingeladen zu einem kurzweiligen Siebenbürgen- Abend im Rumänischen Kulturinstitut Berlin!

Programm

Begrüßung
Claudiu Florian, Rumänisches Kulturinstitut Berlin

Vorträge
Das Fürstentum Siebenbürgen, eine völkerrechtliche Besonderheit
Daniel Ursprung, Zürich

Außenpolitische und völkerrechtliche Kuriositäten und Merkwürdigkeiten aus eineinhalb Jahrhunderten siebenbürgischer Eigenstaatlichkeit
Gerald Volkmer, Oldenburg

Eine Kulturlandschaft als Archivlandschaft – ein Archivführer als Reiseführer?
Thomas Şindilariu, Kronstadt/Braşov präsentiert archivalische Kostproben

Die Referenten

Gerald Volkmer, Dr. phil., Dr. jur., forscht als Osteuropa- und Rechtshistoriker mit einem Schwerpunkt auf dem Donau-Karpatenraum. Er war zunächst wissenschaftlicher Leiter des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg, dann wiss. Mitarbeiter und stellv. Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München. Seit 2013 ist er stellvertretender Direktor des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa an der Universität Oldenburg.

Thomas Şindilariu, M.A., war zunächst in Hermannstadt Mitarbeiter im Aufbaustab des Kulturzentrums »Friedrich Teutsch« der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Seit 2004 leitet er das traditionsreiche Archiv der Evangelischen Honterusgemeinde A.B. Kronstadt. Der Osteuropahistoriker und Archivar ist Initiator und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur Geschichte Siebenbürgens.

Daniel Ursprung, Lic. phil., ist Osteuropahistoriker an der Universität Zürich. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Frühen Neuzeit mit einem besonderen Augenmerk auf den rumänischen Fürstentümern und auf Siebenbürgen.

Buchtipps

Gerald Volkmer:
Siebenbürgen zwischen Habsburgermonarchie und Osmanischem Reich. Völkerrechtliche Stellung und Völkerrechtspraxis eines ostmitteleuropäischen Fürstentums 1541–1699
Berlin 2015, ISBN 978-3-11-034399-1

Bernhard Heigl, Petra Rezac und Thomas Şindilariu:
Archivführer zur Geschichte der Deutschen in Kronstadt und dem Burzenland. Wegweiser durch die Bestände des Staatsarchivs Kronstadt/Braşov und des Archivs der Honterusgemeinde unter besonderer Berücksichtigung der Handschriften
Berlin 2015, ISBN 978-3-11-036386-9

Eine Veranstaltung des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Zusammenarbeit mit dem Rumänischen Kulturinstitut Berlin und dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg

Lage


Folgende Publikationen könnten Sie auch interessieren:

2016-09-19 19:00:00
2016-09-19 21:00:00