20.03.2013 , 18:00
Hotel Esplanade
Seestraße 5, 17424 Seebad Heringsdorf

Winter Fünfundvierzig. Auf der Flucht

Lesung mit Arno Surminski und Tatjana Gräfin Dönhoff • es moderiert Andreas Kossert

Arno Surminski
Tatjana Gräfin Dönhoff
Andreas Kossert

Zur Eröffnung der Usedomer Literaturtage 2013 verdichten die Journalistin und Autorin Tatjana Gräfin Dönhoff und der Schriftsteller Arno Surminski in packenden Geschichten die Geschehnisse zwischen Ostpreußen und Ostsee im Winter des ausgehenden Zweiten Weltkrieges: Der Sturm des Krieges weht über die Grenzen der deutschen Ostprovinz und treibt Millionen Menschen vor sich her nach Westen. Als der Landweg abgeschnitten ist, bleibt nur noch die Flucht über die Ostsee. Millionen fliehen zu Fuß, mit Pferd und Wagen, per Eisenbahn oder Schiff, über Eis und Wasser.

Tatjana Gräfin Dönhoff erzählt in ihrem Roman zum Film Die Flucht die eigene Familiengeschichte jener Jahre. Die Hauptfigur Lena Gräfin von Mahlenberg kehrt aus der Großstadt Berlin auf das heimatliche Gut zurück und übernimmt die gesamte Gutsverwaltung. In den Kriegswirren von 1944 vor die Entscheidung zwischen einer Vernunftheirat und der Liebe zu einem französischem Kriegsgefangenen gestellt, beschließt sie schließlich die Flucht nach Westen anzutreten.

Arno Surminski setzt in seinem Roman Winter Fünfundvierzig der wenig bekannten Tragödie der »Frauen von Palmnicken« ein Denkmal. Ihr tragisches Schicksal war jahrzehntelang vergessen oder wurde verdrängt. Das Buch folgt den Spuren der Fliehenden, zu denen die Bäuerin Lisa Kretschmann mit ihren Kindern und die Witwe Levine Gedeitis aus Memel mit ihrer Tochter Olga sowie vier junge jüdische Frauen aus dem Ghetto von Lodz, gehörten. Auf ihrer Flucht spielte die Ostsee eine tragende Rolle – Zwischen der Danziger und der Neustädter Bucht entstand in den letzten Kriegsmonaten der größte Schiffsfriedhof aller Zeiten.

Eintritt

12,– EUR

Arno Surminski, geboren 1934 im ostpreußischen Jäglack (poln. Jegławki), ist einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der Gegenwart. Er ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg. Die meisten seiner zum Teil verfilmten Erzählungen und Romane haben die dramatischen Ereignisse der letzten Kriegs- und Nachkriegsmonate seiner alten Heimat Ostpreußen zum Thema. Für seinen Beitrag zur Verständigung der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn erhielt Arno Surminski den Andreas-Gryphius- Preis. 2008 verlieh ihm die Hamburger Autorenvereinigung den Hannelore-Greve- Literaturpreis, einen der höchstdotierten Literaturpreise Deutschlands. Sie würdigte damit einen der profiliertesten Vertreter aus dem Kreis jener Autoren, die sich mit Krieg und Nachkriegszeit auseinandergesetzt haben.

Tatjana Gräfin Dönhoff, geboren 1959 und aufgewachsen in Irland, Afrika und Deutschland, lebt als Journalistin und Autorin in Hamburg und an der Oste. Nach einer Lehre beim Kölner Stadt-Anzeiger studierte sie Politik, Neuere Geschichte und Journalistik an der Universität Hamburg. Später arbeitete sie als Reporterin und Redakteurin unter anderem beim Stern, beim Philadelphia Inquirer, bei The European in London, bei Max und Gala. 1999 gründete sie brain drain, ein Medienunternehmen für Corporate Publishing in Hamburg. Sie schreibt für verschiedene deutsch- und englischsprachige Zeitungen und Zeitschriften und ist als Buchautorin erfolgreich. 2005 erschien Weit ist der Weg nach Westen, ein politisches Reisebuch in dem sie die Fluchtroute von Marion Dönhoff durch Nordpolen nachzeichnet. 2006 veröffentlichte sie Camilla, eine Biographie der Herzogin von Cornwall, 2007 und 2008 mit Die Flucht und Die Gustloff, Bücher zu ARD- und ZDF-Filmen, 2009 wurde Die letzte Fahrt der Hindenburg publiziert, das Buch zum gleichnamigen RTL-Spielfilm.

Andreas Kossert, geboren 1970 in Hannoversch Münden, studierte in Deutschland, Schottland und Polen Geschichte, Slawistik und Politik. Der promovierte Historiker arbeitete 2001-2009 am Deutschen Historischen Institut in Warschau. Seit Januar 2010 ist er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin tätig. Kossert ist ein ausgewiesener Kenner des östlichen Mitteleuropa und Autor zahlreicher Publikationen: so erschien 2001 Masuren, 2005 Ostpreußen und 2008 der Bestseller Kalte Heimat. Für seine Arbeit wurde ihm 2008 der Georg Dehio-Buchpreis des Deutschen Kulturforums östliches Europa verliehen.

Wir bedanken uns bei Das Erste und bei ARD Degeto für die freundliche Unterstützung der Veranstaltung und für die erteilte Genehmigung der Vorführung von Kurzausschnitten aus dem Film Die Flucht.

Winter Fünfundvierzig. Auf der Flucht
Weitere Informationen auf den Internetseiten der Usedomer Literaturtage

Usedomer Literaturtage 2013
Das Festival im Überblick

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