15.01.2004 - 17.03.2004

Der Pojaz. Eine Geschichte aus Ostgalizien

Eine Lesereise zum 100. Geburtstag von Karl Emil Franzos. Mit Oskar Ansull, Lesung, und Theo Jörgensmann, Musik

Karl Emil Franzos, der Autor des Pojaz
Die Künstler Oskar Ansull und Theo Jörgensmann in Aktion
»Die Wiederbegegnung mit dem Pojaz, mit dieser 'Geschichte aus dem Osten' in der bezwingenden Einrichtung von Ansull mit Jörgensmann, war für mich ein lange über den Abend der Aufführung hinaus wirkendes Ereignis. Wer Gelegenheit hat, die Performance von Ansull/Jörgensmann zu besuchen, sollte diese galizische Geschichte zwischen Lachen und Weinen nicht versäumen.«
Alfred Paffenholz, Radio Bremen

Der Pojaz ist die Geschichte eines jungen galizischen Ghettojuden und dessen Traum von einem Leben am Theater; die Geschichte eines ostjüdischen Künstlers, in dem Karl Emil Franzos auch sein eigenes Leben spiegelt. »Eine Geschichte aus dem Osten«, wie Franzos seinen Roman bescheiden nannte, erzählt von einer Welt, die es nicht mehr gibt, die ausgelöscht wurde. Von einer Welt, die geografisch zwischen Odessa und Warschau, zwischen Kiew und Belgrad zu verorten ist. Irgendwo zwischen diesen Metropolen liegt Barnow, ein fiktives Nest im galizisch-podolischen Teil der Bukowina. Hier lebt Sender Glatteis, der Held der Geschichte. Der Junge will seinem Geburtsort, dem Schtetl, entfliehen und Schauspieler werden. Doch die soziale und kulturelle Bindung an seine jüdische Herkunft lässt ihn nicht los.

Karl Emil Franzos wurde am 25.10.1848 im ostgalizischen Czortków (heute Chortkov, Ukraine) geboren, starb am 28.01.1904 in Berlin. Er besuchte das deutschsprachige Gymnasium in Czernowitz, studierte in Graz und Wien, war Schriftsteller, Journalist und erster Herausgeber der Werke Georg Büchners. Der Pojaz, 1893 beendet, erschien posthum 1905.

Oskar Ansull lebt in Berlin und hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht. Als Rezitator stellt er literarische Entdeckungen vor, empfiehlt Anderes und Andere, liest aus den Manuskripten der Vergessenen oder mischt die Bekannten so, dass sich neue Zugänge und Perspektiven eröffnen. Seine »Lesebühne« umfasst inzwischen mehr als 50 Titel. Einige Lesungen wurden vom Rundfunk aufgezeichnet.

Theo Jörgensmann lebt als Musiker und Komponist in Brüel (Mecklenburg–Vorpommern). Er zählt zu den führenden europäischen Klarinettisten im zeitgenössischen Jazz sowie in den Grenzbereichen von Jazz und Neuer Musik. Er hat die Renaissance der Klarinette in der Improvisationsmusik der Gegenwart mitgestaltet und tourte zuletzt mit seinem »Theo Jörgensmann Quartett« durch Kanada und die USA (199, 2001, 2003) sowie China (2002). Seine CD Miniatures mit den Oles Brüdern ist für die Jazz CD des Jahres in Polen nominiert.

Am 10. Juni 2004 werden Oskar Ansull und Theo Jörgensmann mit dem leicht modifizierten Programm »Der Pojaz oder Lessings Nathan buchstabieren« auf Einladung des Moses Mendelssohn Zentrums und des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam gastieren. Der genaue Veranstaltungstermin bzw. -ort werden rechtzeitig bekanntgegeben.

»Deinem Glauben nach bist du ein Jude«
Zum 100. Todestag des galizischen Dichters Karl Emil Franzos

Karl Emil Franzos: Der Pojaz
Weitere Informationen zum Roman auf den Internet-Seiten der Europäischen Verlagsanstalt • Zum Finden des Buches bitte entweder die Suchmaske benutzen oder über das Menü »Autorinnen und Autoren« gehen

Karl Emil Franzos: Der Pojaz
Szenisch-musikalische Lesung von Oskar Ansull mit Theo Jörgensmann, Klarinette

Oskar Ansull: Ein deutscher Rock ist es nicht geworden
Ein Artikel über Karl Emil Franzos in der Online-Ausgabe der Zweiwochenschrift Ossietzky

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