Erntedankfest im Mai

Abschlusstreffen von »Studenten machen Schule – deutsche Kulturgeschichte im östlichen Europa« im Berliner Roten Rathaus

von Nancy Waldmann
Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin des BKM, spricht das Grußwort, rechts Moderatorin Doris Lemmermeier

Als »gereifte Experten« trafen sich alle Teilnehmenden von »Studenten machen Schule«, das heißt Schülerinnen und Schüler, Studierende und Lehrende, sowie weitere im Bereich der historisch-kulturellen Bildung Engagierte in den Sälen des Roten Rathauses, in welche die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung eingeladen hatte. Es ging darum, die Früchte der eigenen Arbeit in Form einer mehrteiligen Ausstellung zu präsentieren sowie in fünf thematisch gegliederten Zukunftswerkstätten Ergebnisse und Aussichten des als Modellprojekt für kulturelle Bildung angelegten achtmonatigen Unternehmens zu diskutieren.

Den Abend moderierte Dr. Doris Lemmermeier, Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa, die zunächst zwei Vertreterinnen der Kultur- und Bildungspolitik auf die Bühne bat. Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, die den Förderer des Projekts, den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM) vertrat, sowie Claudia Zinke, Staatssekretärin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, hießen die Teilnehmenden und das Publikum mit Grußworten willkommen. Darin hoben sie die Bedeutung kulturell-historischer Bildung und den Zusammenhang mit der Entwicklung einer europäischen Nachbarschaft hervor.

Wie dies im Fall von »Studenten machen Schule« aussah, führte Ariane Afsari, die Initiatorin und Leitern des Projekts, in einer Dia-Schau mit Momentaufnahmen aus dem Projektverlauf vom ersten Treffen der Studierenden bis zu den Projekttagen an den sieben Schulen vor Augen.

Werkstattgespräch zu Methoden angewandter Geschichte. Vorn links die Ausstellung des Projekts vom Team aus Sebnitz.

Bevor die Arbeit der einzelnen Teams mit Preisen gewürdigt wurde, berichteten Moderatorinnen und Moderatoren und Diskutanten aus den Zukunftswerkstätten, die am Nachmittag stattgefunden hatten.

Robert Maier fasst die Diskussion zum Thema Multiperspektivität zusammen

Alle Beteiligten dieses Projekts seien Lernende – so lautete ein zentrales Fazit der fünf Tischgespräche mit den Projektteilnehmenden, darunter Studierende, Schülerinnen und Schüler und Lehrende, sowie Akteure aus dem Bereich der historisch-kulturellen Bildung. Die Stärke des Projekts liegt darin, dass es so verschiedene Gruppen an den Lernprozessen beteiligt hat: Studierende als Multiplikatoren, Schulen als Experimentierfelder für außercurriculare Themen sowie Akteure historisch-politischer Bildung als Anleiter und Mentoren für die studentischen Projektteams.

Marco Splitt, einer der Teilnehmer des Projekts, in der Werkstatt zu Methoden angewandter Geschichte

Im Großen Saal stand das Thema »Methoden angewandter Geschichte« im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Schülern, Studierenden, Lehrenden und Experten, das Juliane Tomann vom Institut für angewandte Geschichte in Frankfurt (Oder) moderierte. Diskutiert wurde hier unter anderem wie Zeitzeugengespräche wirkungsvoll vor- und nachbereitet werden können. Es stellte sich heraus, dass die Arbeit mit Quellen wie Zeitzeugen oder Erinnerungsorten Zeit erfordert und nicht immer mit der Struktur des Stundenplans kompatibel ist.

Die Werkstatt »Unterrichtswirklichkeit vs. Vermittlung außercurricularer Inhalte« im Wappensaal

Robert Maier, der am Georg-Eckert-Institut in Braunschweig Schulbücher erforscht, moderierte die Werkstatt zum Thema »Multiperspektivität erfahrbar machen«. In den Schulprojekten seien die Schüler sehr schnell auf die Konstruiertheit von Geschichte gestoßen. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen ließen sich sinnvoll zusammen mit »dem Gegenüber« aus Polen oder Tschechien thematisieren.

Oliver Krause (r.) und Theresa Langer (2. v. r.) berichten von den Ergebnissen der Werkstatt zum Thema »Hochschulen als Multiplikatoren?« Von links Moderatoren weiterer Werkstätten, Juliane Tomann vom Institut für angewandte Geschichte in Frankfurt (Oder)

Zu ähnlichen Schlüssen kam man in der Werkstatt »Deutsche Kulturgeschichte in östlichen Nachbarregionen als Verständnisschlüssel«, die Blanka Mouralová, Direktorin des Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem/Aussig moderierte. Für Schüler sei deutsche Kulturgeschichte im östlichen Europa kein emotional aufgeladenes Thema, resümierte Maximilian Eiden, Kulturreferent am Schlesischen Museum zu Görlitz, in seinem Bericht. Es ist nur einer von vielen Aspekten, wenn es um die Entdeckung der Nachbarregionen jenseits von Oder, Neiße und Bayerischem Wald geht. Konsequent und erwünscht ist es daher, wenn in zukünftigen Projekten stärker Begegnungen mit Jugendlichen aus Polen bzw. Tschechien ermöglicht würden, um sich der gemeinsame Geschichte von mehreren Seiten anzunähern. So verliere das Thema auch seinen manchmal als suspekt empfundenen Charakter der reinen Selbstreflexion dieses Teils der deutschen Geschichte.

Dr. Felix Ackermann von der Europa-Universität Viadrina moderierte die Zukunftswerkstatt zum Thema »Unterrichtswirklichkeit vs. Vermittlung außercurricularer Inhalte«, in der unter anderem festgehalten wurde, wie wichtig die außerordentlich positive und erfrischende Wirkung einzuschätzen ist, die die studentischen Projekte auf den fest strukturierten Schulalltag hatten. Nicht unwesentlich trugen dazu Exkursionen bei, die häufig aus der Schule hinaus in eine nahe, dennoch oft unbekannte Umgebung führten und damit neue Lernorte erschlossen.

Oliver Krause, Historiker und Projektteilnehmer, sowie Moderatorin Theresa Langer, Geschichtsdidaktikerin von der Universität Passau, gaben die Diskussion in der Werkstatt zur Frage »Hochschulen als Multiplikatoren?« wieder. Sie schilderten die Situation vieler Studierender, die an den Hochschulen mit dem geringen Praxisbezug ihres Studiums konfrontiert sind. Für sie bot das Projekt die Herausforderung, im Studium angeeignetes Wissen methodisch aufzubereiten und praktisch für Lernprozesse einzusetzen. Dabei zeigte sich, dass starker Qualifizierungsbedarf gerade im Bereich Didaktik und im Umgang mit Lernmethoden besteht, der in der Hochschule außerhalb eines Lehramtsstudiums nicht bedient wird, und der bei zukünftigen Projekten zur Multiplikatorenbildung stärker berücksichtigt werden sollte.

Ausstellung des Projekts »Steinerne Zeugen in Guben«, erarbeitet von Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums im Stift Neuzelle. Die Ausstellung wurde auch in der Stadtbibliothek Guben gezeigt.

Im Anschluss an diesen Ausblick erhielten die teilnehmenden Schulen von Frau Zinke als Anerkennung Preisgelder im Wert von insgesamt 3000 Euro, die die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin zur Verfügung stellte.
Angelika Rangnitt, Regionalleiterin Nord-Ost des Klett Verlags, überreichte Büchergeschenke ihres Verlags an die Studierenden sowie an die Schülerinnen und Schüler als Spende für die Schulbibliothek. Hier nehmen Schüler des Stiftland-Gymnasiums Tirschenreuth und der polnischen Partnerschule, dem Gimnazijum nr 5 aus Gliwice/Gleiwitz diese entgegen.

Dehio-Preisträger Zbigniew Czarnuch (re.) war einer der geladenen Experten der Werkstatt »Deutsche Kulturgeschichte in östlichen Nachbarregionen als Verständnissschlüssel«, daneben Thomas Hoffmann (2.v.r) von der Deutschen Jugend in Europa djo sowie Proje

Das Team Bad Kötzting (Lehrerin Juliane Jehlicka und die Schülerinnen und Schüler Annika Weingut, Martin Mühlbauer und Simon Mühlbauer von der Realschule Bad Kötzting sowie die Projektemacherinnen und Projektemacher Dorothee Ahlers, Uta Pavlicek und Jacob Venuß) mit Frau Berggreen-Merkel (li.) sowie Frau Zinke (re.) und Frau Rangnitt (2.v.r.)

Susanne Albani vom Projekt »Pommern – eine Region?« sowie Dominik Kretschmann, Bildungsreferent der Stiftung Kreisau

Alle Fotos auf dieser Seite: © Deutsches Kulturforum östliches Europa, 2010 • Fotografin: Anke Illing, Berlin

Links

Besichtigung der Ausstellung des Projekts »Nah und Fern« an der Realschule Bad Kötzting (Bayern)

www.kulturstaatsminister.de
Zu den Internet-Seiten des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Karolina Knopik, Trainerin für deutsch-polnische Jugendbegegnungen, in der Diskussion zu Multiperspektivität, Moderator Robert Maier vom Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung (2.v.r.) sowie Projektteilnehmer Stephan Müller (re.)

www.berlin.de/sen/bwf/
Zu den Internet-Seiten der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Prof. Birgit Wenzel von der TU Berlin am Tisch zum Thema »Hochschulen als Multiplikatoren« im Gespräch mit Schülerinnen der Bertha-von-Suttner-Oberschule in Berlin-Reinickendorf

www.klett.de
Zu den Internet-Seiten des Ernst Klett Verlags GmbH

Schülerinnen des Stiftland-Gymnasiums Tirschenreuth (Bayern) mit ihrer Installation zu deutsch-polnischen Stereotypen und Identität
Interaktives Ausstellungsobjekt: Das Pommern-Memory der Schüler von der Pestalozzi-Schule Demmin (Mecklenburg-Vorpommern)
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